Mitsubishi 3000 GT Japanischer High-Tech-Klassiker

Der Mitsubishi 3000 GT galt in den 1990er Jahren als Porsche-Killer. Ausfahrt mit dem Sportwagen-Klassiker.



Die Früchte hingen tief, in den 1980er und 1990er Jahren. Nachdem die japanischen Autohersteller Kunden in den USA und Europa mit Kompakt- und Mittelklassewagen von ihrer technischen Kompetenz und der Zuverlässigkeit ihrer Produkte überzeugt hatten, wurden Luxus- und Sportwagen serviert.

Nissan legte den neuen 300 ZX auf, Honda den ersten NSX und Toyota den Supra A80. Der Subaru SVX empfahl sich als GT mit Sechszylinder-Boxermotor.

Erste Fahrt nach 30 Jahren

Mitsubishi zog mit dem 3000 GT alle Register. Der Sportwagen mit den drei Diamanten im Logo bot einen doppelt aufgeladenen 3,0-Liter-V6-Motor, Allradantrieb und Allradlenkung sowie einstellbare Dämpfer. High-Tech zum stolzen Preis eines Porsche. Entsprechend selten blieb der 3000 GT in unseren Breitengraden.

Wir reisen in der Zeit 30 Jahre nach vorne, zurück in die Gegenwart von 2021. Ich halte einen dürren Schlüssel in der Hand. Der darf noch im Türschloss gedreht werden, dann erlaubt der Klappgriff den Zustieg.

Ein Mitsubishi 3000 GT steht zur Klassiker-Ausfahrt bereit. Aber nicht irgendeiner. Mit dem damaligen Testimonial Franz Beckenbauer hat der deutsche Importeur eine Sonderserie seines Sportlers kreiert. Nur 30 Exemplare des Mitsubishi 3000 GT Franz Beckenbauer Limited Edition wurden aufgelegt. Sie kamen alle in Gelb, mit Sportauspuff, OZ-Felgen und einem C-Netz-Autotelefon.

Hinter dem sehr großen Airbag-Lenkrad, das steil im Raum steht, dreht sich das Schlüsselchen im Zündschloss. Der V6 erwacht mit sonorem Klang, die Fahrt beginnt. Erster Gang, zweiter. Unter lautstarkem Turboladerfauchen geht die Post ab. 210 kW / 286 PS leistet der Motor nach offiziellen Angaben. Im nachträglich modifizierten Testwagen sollen es um 400 Pferdestärken sein. „Wir müssen das Auto mal auf einen Leistungsprüfstand stellen, dann haben wir Gewissheit“, erklärt der Mitsubishi-Mann.

Aktiver Heckspoiler

Mitsubishi 3000 GT Franz Beckenbauer Limited Edition Test Fahrbericht

Maximal ausreizen will ich die Leistung des seltenen Klassikers heute nicht. Auf leicht feuchten Landstraßen gefällt der Sportwagen aber auch unter Einhaltung der Straßenverkehrsordnung. Der Allradantrieb, der 55 Prozent der Kraft an die Vorderräder schickt, sorgt für ausgezeichnete Traktion. Ab 80 km/h fährt der aktive Heckspoiler, der sich breit im Rückspiegel zeigt, für mehr Anpressdruck nach oben.

Tempo brauchen auch die beiden parallel geschalteten Turbolader. Unter 2.200 U/min passiert überschaubar wenig, dann beginnt der Spaß. Dem V6 sind höhere Drehzahlen lieber als Kraft, die er aus dem Keller holen muss. Der Klang bleibt stets zurückhaltend, fast schon fad. Was den 3000 GT wiederrum zum Langstreckensportwagen stempelt, in dem einem nicht irgendwann die Ohren dröhnen. Auch der Fahrkomfort passt, der Sportwagen liegt straff auf der Straße, ist aber nicht zu hart gefedert.

Geschwindigkeit und Drehzahl werden auf analogen Großserien-Instrumenten angezeigt. Uhren in der Mittelkonsole verraten auch die Angaben zu Laderdruck und Temperatur. Wie ein Fremdkörper wirkt das bunte Display der Klimaautomatik über dem Becker-Mexico-DIN-Radio. Auch eine andere Taste schickt mich zurück in die 90er. Auf Knopfdruck klappen die beiden Scheinwerfer aus der Frontmaske, stellen sich ins Blickfeld und leuchten die Straße gelblich aus. Das passt zur Lackierung des Autos. Mit dem Facelift im Jahr 1994 bekam der 3000 GT eingelassene Elipsoid-Scheinwerfer.

Nicht nur damals war der schnelle Mitsubishi, der im Jahr 2000 ohne Nachfolger auslief, ein Auto für Kenner und Fans. Eine große Fanszene, die sich um gebrauchte 3000 GT riss, gab es nie. Wenn man in den Online-Börsen stöbert, merkt man aber, dass die Preise ihre Talsohle durchschritten haben. Je nach Laufleistung und Zustand führen mobile.de und Co. brauchbare Autos in Regionen von 19.000 bis 35.000 Euro auf. Ein 3000 GT Franz Beckenbauer Limited Edition ist aber nicht dabei.

Fazit

Mitsubishi 3000 GT Franz Beckenbauer Limited Edition Test Fahrbericht

Der Mitsubishi 3000 GT ist ein eindrucksvoller Zeitzeuge. Als High-Tech-Sportwagen zum hohen Preis stand er damals, mit den eingangs erwähnten Konkurrenten, an der Spitze des japanischen Selbstbewusstseins.

Auch 30 Jahre später sorgt der Sportwagen noch für ein breites Grinsen auf dem Gesicht des Fahrers. Auch wenn Mitsubishi, Nissan und Honda mittlerweile fast nur noch auf SUV und Kleinwagen setzen: immerhin bereichern Modelle wie der 3000 GT die Automobilgeschichte.
Da darf zum Abschluss auch noch mal Franz Beckenbauer zu Wort kommen, der einst über die Entwicklung des FC Bayern sagte: „Da ist man ein bisschen stolz, weil man auch etwas dazu beigetragen hat. Als Spieler, als Trainer, als Präsident und was weiß ich nicht noch was.“

Ein anderer Japan-Klassiker im Video: Subaru SVX (1992)

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Text: Bernd Conrad
Bilder: Bernd Conrad
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