Toyota Camry Hybrid Achtsamkeitstraining

Entspannung auf Rädern: Der Alltag im Toyota Camry Hybrid



Behalten wir mal kurz die „deutsche Brille“ auf und wundern uns. Darüber, dass Autohersteller überhaupt Geld in Entwicklung und Marketing für Autos stecken, die doch eh kaum jemand kauft. Bestes Beispiel: große japanische Limousinen. Nicht erst heute, immer schon. Oder wem sagen Modelle wie Mitsubishi Sigma, Nissan Maxima, Subaru Legacy und Toyota Camry etwas?

Jetzt setzen wir das imaginäre Sehgestell mal ab und wechseln die Sichtweise. Große Nissan-Limousinen? Haufenweise in Asien und den USA unterwegs. Subaru Legacy? Gibt es auch noch, gerade neu aufgelegt. Toyota Camry? Mit circa 700.000 Autos, wie jedes Jahr verkauft werden, ein globaler Bestseller.

Der Camry im Video-Review

In Deutschland kam der Toyota Camry nach langer Pause 2019 in der aktuellen Modellgeneratio wieder auf den Markt. Warum? Nicht unbedingt aus neu gewonnener Motivation, mehr als Notlösung. Der darunter rangierende Avensis lief aus (der Verkaufserfolg, man ahnt es) und ein Nachfolger wurde nicht entwickelt.

Also gibt es auch bei uns zumindest in Limousinenform wieder einen Toyota-Vertreter für die Mittelklasse. Markentypisch als Hybrid, der die einzige Motorvariante darstellt. Als Zielgruppe hat man nicht die typische Opel Insignia - / VW Passat – Fraktion im Kopf, sondern markentreue Privatkunden und Taxifahrer sowie Shuttledienste.

Toyota Camry Hybrid 2020 Test Alltag Video Review Verbrauch Vergleich

Die technische Basis für den Camry stellt die TNGA-Plattform (Toyota New Global Architecture), die auch die Grundlage für Prius, Corolla und weitere Modelle der Marke bildet. Der engste Verwandte des Camry ist der Lexus ES 300h als Premium-Alternative der Nobeltochter.

Über 13.000 Euro spart, wer statt des Lexus den Toyota wählt. Dafür bekommt man eine 4,89 Meter lange Limousine, deren Karosseriedesign vor allem an Dach und Heck an Saab erinnert – was als Lob zu verstehen ist. Innen wirkt der Camry deutlich profaner als der Lexus ES. Vor allem die rutschigen Lederbezüge und die teils durchschnittliche Kunststoffqualität zeugt vom Fokus auf den US-amerikanischen Markt.

Damit kann man sich aber schnell anfreunden, zumindest schneller als mit dem altertümlichen Infotainmentsystem mit grobpixeliger Anzeige. Der Testwagen in der Business Edition hat ein sieben Zoll großes Display, die Executive-Variante bringt ein größeres Modul mit acht Zoll Bildschirmdiagonale mit.

Aufregen lohnt sich nicht, denn sobald man den Startknopf gedrückt hat, tritt sowieso eine tiefe Entspannung ein. Der Vollhybrid stromert in den meisten Fällen elektrisch los. Wenn sich nach einigen hundert Metern der Benziner zuschaltet, geschieht dies kaum spürbar. Auch der Antriebsstrang mit den 2,5 Liter großen Sauger, der für sich 177 PS leistet, und dem maximal 88 kW (120 PS) starken Elektromotor kennt man aus dem Lexus ES. Die Systemleistung des Hybrid-Antriebstrangs liegt bei 218 PS.

5,9 Liter Testverbrauch

Unabhängig von der Verpackung ist der Hybridantrieb auch in diesem Fall ein angenehmer Begleiter mit hervorragenden Verbrauchswerten. 5,9 Liter Benzin genehmigte sich der Toyota Camry im Testalltag auf 100 Kilometer.

Wenn man den Japaner mehrheitlich im Stadtverkehr bewegt (womit wir zur oben genannten Zielgruppe kommen), dürfte man auch Werte um fünf Liter erreichen. Beim Gaswegnehmen und der Fahrt durch Wohngebiete schaltet sich der Benziner meist aus und der Camry fährt elektrisch. Gibt man ihm die Sporen, dreht der Motor hoch und das stufenlose Getriebe zieht das Auto nach – eine dramatische Geräuschkulisse gibt es aber nicht mehr, zudem ist die Fuhre dann objektiv dynamischer als der Mensch hinter dem Lenkrad es annimmt.

Bei 180 km/h wird der Vortrieb abgeregelt, das kennt man von Toyota-Hybriden – und neuerdings auch von Volvo. Schnell werden aber auch stürmische Lenkernaturen vom Camry zum Achtsamkeitstraining erzogen, gleiten bei Richtgeschwindigkeit gen Horizont oder lernen das vorausschauende Fahren für oftmaliges elektrisches Segeln. Übrigens alles kein Neuland, sondern teils längst vergessene Lerninhalte aus der Fahrschule.

Vorne und im Fond kann man sich währenddessen auf großen Sitzplätzen räkeln, in alle Richtungen steht viel Freiraum zur Verfügung. Mit den 17 Zoll großen Leichtmetallfelgen der Camry Business Edition schluckt die Federung etwaige Provokationen der Asphaltoberfläche gediegen weg, steigert somit den erlebten Fahrkomfort.

39.990 Euro kostet der Einstieg in den Toyota Camry, dann bekommt man die hier vorgestellte Business Edition. Klimaautomatik, Spurhalteassistent, Verkehrszeichenerkennung, adaptive Geschwindigkeitsregelanlage, Rückfahrkamera und beheizbare Ledersitze sind dann schon an Bord. 2.400 Euro Aufpreis kostet der Camry Executive, der dafür dann auch einen Spurhalteassistenten mit Gegenlenkfunktion, ein Navigationssystem mit acht Zoll großem Display, induktives Laden für das Smartphone und einen Assistenten zur Überwachung des toten Winkels mitbringt.

Fazit zum Toyota Camry

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Egal, in welcher Ausstattung. Wer sich auf das entspannte Wesen des Toyota Camry einlassen kann, über die teils rustikale Materialauswahl hinwegsieht und Lust auf hohen Fahrkomfort beim täglichen Pendeln hat, bekommt mit dem großen Toyota einen angenehmen Begleiter. Und den Exotenstatus dazu. 647 Camry wurden 2019 in Deutschland erstmals zugelassen. Aufgrund des Marktstarts beinhaltet diese Zahl auch Test- und Vorführwagen von Importeur und Händlern.

Technische Daten

Toyota Camry Hybrid Business Edition

Abgasnorm Euro 6d-Temp
Hubraum 2.487 ccm
Anzahl und Bauform Zylinder 4 in Reihe
Maximale Leistung kW / PS 131 kW / 178 PS bei 5.700 U/min
Max. Drehmoment 221 Nm bei 3.600 bis 5.200 U/min
Getriebe stufenloses Planetengetriebe
Elektromotor: Maximale Leistung kW 88 kW (120 PS)
Elektromotor: Maximales Drehmoment 202 Nm
Systemleistung: kW / PS 160 kW / 218 PS
Batterie Nickel-Metallhybrid
Beschleuningung 0-100 km/h 8,3 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit 180 km/h (abgeregelt)
Norm-Verbrauch auf 100km 4,3 Liter (NEFZ)
Verbrauch real auf 100km 5,9 Liter
Reifenmarke und –format des Testwagens 215/55 R17
Leergewicht 1.595 kg
Anhängelast (gebremst) n/a
Länge / Breite / Höhe 4.885 / 1.840 / 1.445 mm
Grundpreis 39.990 Euro
Testwagenpreis 41.570 Euro
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Text: Bernd Conrad
Bilder: Bernd Conrad
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