VW Golf GTI Performance DSG 2018 Einer für alle(s)

Ist der VW Golf GTI Performance das fast perfekte Auto? Der Alltagstest findet es heraus.

Nehmen wir, Leser und Autor, uns mal die Zeit, die Unterschiede zwischen dem VW Golf GTI und dem VW Golf GTI Performance zu beleuchten. Denn außerdem dem von 169 kW / 230 PS auf 180 kW / 245 PS und um 20 auf maximal 370 Newtonmeter Drehmoment erstarkten 2.0 TSI-Motor steckt noch mehr im Performance-Modell.

Die wichtigste Hardware-Änderung steckt an der Vorderachse. Das mechanische Sperrdifferenzial verteilt die Kraft zwischen den beiden Rädern. Im 230 PS-GTI sorgt eine elektronische Sperre dafür, dass das kurveninnere Rad bei Bedarf über die ESP-Regelung abgebremst wird. Die Folge, vereinfacht ausgedrückt: Der GTI Performance verliert in der Kurve weniger Schwung als das schwächere Modell.

VW Golf GTI Performance Black Rubin 2018 Test

Größere Bremsen halten den Kompaktsportler, der sich äußerlich durch rote GTI-Schriftzüge an Front und Heck zu erkennen gibt, in Zaum. Außerdem fährt im VW Golf GTI Performance eine mit dem digitalen Active Info Display, dem Radiosystem Composition Media (was als Ausgangsbasis die Aufpreis-Schritte für die Navigationssysteme verkleinert), Fernlichtassistent und der Freisprecheinrichtung mit USB-Anschluss verbesserte Serienausstattung mit.

Alternativ zum manuellen Sechsgang-Getriebe steht im GTI Performance das 7-Gang-DSG mit im Ölbad laufenden Kupplungen zur Verfügung. Und genau das ist der Grund, warum die letzten 172 Wörter nur noch für Gebrauchtwagenkunden relevant sind. Im Modelljahr 2019, das der Volkswagen-Konzern traditionell im Mai eingeläutet hat, ist der reguläre Golf GTI mit Handschaltung und 6-Gang-DSG nämlich aus dem Programm geflogen. Die Umstellung auf den WLTP-Verbrauchsnorm ist für viele Hersteller recht komplex und dünnt die Modellangebote aus, so eben auch beim sportlichen Golf.

Dieser Wegfall ist kein großer Verlust, die ausstattungsbereinigt 1.040 Euro Mehrpreis für den stärkeren GTI Performance sollte Kunden nicht primär abschrecken – sind sie doch bereit, mindestens 32.950 Euro in ihr neues Auto zu investieren. Dafür bekommen sie dann auch eine ganze Menge geboten. Nach dem Fahrbericht der handgeschalteten Performance-Version im vergangenen Jahr rollte jetzt ein Modell mit dem 7-Gang-DSG zum AUTONOTIZEN-Alltagstest an. Und zeigte sich auf vielfältige Art und Weise gereift und erwachsen.

Das beginnt mit der Lackierung des Testwagens: Black Rubin heißt die ohne Aufpreis erhältliche Unifarbe. Anders als des der Name vermuten lässt, schimmert der Golf GTI damit je nach Lichteinfall mehr oder weniger Violett. Ältere VW-Kunden dürften sich damit an das Sondermodell „Fire & Ice“ der zweiten Golf-Generation und die Lackierung in „Dark Burgundy“ beim Golf II GTI Edition One und dem VR6 der dritten Golf-Baureihe erinnert fühlen.

Weil man mittlerweile je nach Lebenssituation auch Kinder oder gar Enkel mitfahren lässt oder einfach öfter mal Sachen auf die Rücksitzbank legt, ist der GTI als Fünftürer schlicht und einfach praktischer. Dazu das Doppelkupplungsgetriebe und 18-Zoll Leichtmetallfelgen im Design „Milton Keynes“, das sollte man sich für den Komfort und Auftritt des GTI schon gönnen.

Gereift wie die Zielgruppe zeigt sich auch das Auto. Kaum einem sportlichen Kompaktwagen gelingt der Spagat zwischen uneingeschränktem Alltagsnutzen und Spaßbefehl so gut wie dem GTI. Über den Schalter der Fahrmodusauswahl mit adaptivem DCC-Fahrwerk (Aufpreis) lässt sich die Charakteristik des Autos von komfortabel-soft bis hoppelnd-hart variieren. Dazu gibt es einen individuell einstellbaren Modus, der wenig Wünsche offenlässt.

Gutanliegende Sportsitze, die auch gerne ohne weitere Optionen im klassischen GTI-Stoffsitzbezug Clark bezogen sein dürfen, sorgen für den richtigen Halt. Nicht zu eng, aber keinesfalls zu lasch. Nur eine ausziehbare Oberschenkelauflage wäre wünschenswert.

VW Golf GTI Performance Black Rubin 2018 Test

Die Cockpitlandschaft lässt mit dem vielfach konfigurierbaren Digital-Cockpit und dem edlen Discover Pro – Infotainmentsystem kaum Wünsche in Sachen Informationsfülle und Darstellung übrig. Kein Bericht darüber aber über ein Wehklagen, der Vollständigkeit halber: Ein Drehknopf für die Lautstärke des Audiosystems soll in Zukunft wieder mit an Bord sein. Wird auch bestimmt kommen, wie der neue VW Touareg zeigt.

Auf Tour ist der VW Golf GTI Performance alles in Einem. Auf langen Autobahnetappen durch tempolimitierte Länder ist er fromm genug, um den Fahrer nicht anzustacheln. Leise und komfortabel schnürt er seine Bahn, dabei sinkt der Durchschnittsverbrauch auch gerne mal auf deutlich unter sieben Liter je 100 Kilometer. Aber auch Tempo 250 auf leeren deutschen BABs leistet der GTI unaufgeregt und ansatzlos. Wenn man dabei das DCC-Fahrwerk auf „Normal“ oder „Comfort“ stellt, bleiben auch Bodenhaftung und Reisekomfort auf reifem Niveau.

Nach vorne geht er also, der Golf mit dem roten Streifen im Gesicht. Und Kurven mag er sehr. In siebter Generation zeigt sich zwar ein durchaus großes und schweres Auto, dass enge Kehren weniger gierig durcheilt als der hierfür prädestinierte VW Polo GTI mit 200 PS , die erwähnte mechanische Sperre zeigt sich aber schon schnell von ihrer besten Seite. Kratzende Antriebsräder kennt der VW Golf GTI Performance wenn dann nur bei sehr nassen Straßen, als Botschafter für leistungsstarke Autos mit Frontantrieb eignet sich diese Konfiguration hervorragend.

Für das Image der unerschütterlichen Trutzburg gilt das im Fall des Test-GTI nicht ganz. Ein rubbelnder Aero-Scheibenwischer, in der Türverkleidung scheppernde Lautsprecher des ansonsten famosen Dynaudio-Soundsystems und ein Knacken im Armaturenbrett bei Abruf voller Leistung entsprechen nicht dem gewohnten Verarbeitungsbild des Golf. Ein Tag in der Werkstatt sollte hier als Garantiearbeit Abhilfe schaffen.

VW Golf GTI Performance Black Rubin 2018 Test

Ein Tag, an dem man auf eine fette Portion Fahrspaß verzichten muss. Dem dann aber viele folgen werden, denn gerade eben weil der VW Golf GTI Performance so eine weite Spreizung zwischen entspanntem Gleiten und Kurvenhetze möglich macht, wird es im 245 PS-Wolfsburger einfach nicht langweilig. Die 45.240 Euro Listenpreis, die der üppig, aber keineswegs komplett ausgestattete Testwagen (auch des Autors Tipp: Auf Panoramadach und Ledersitze kann man getrost verzichten) aufruft, sind natürlich sehr viel Geld für einen Golf. Aber eigentlich ganz o.k. für zwei Autos in einem.

Die technischen Daten findet Ihr unter der Bildergalerie.

Technische Daten

VW Golf GTI Performance

Hubraum 1.984 ccm
Anzahl und Bauform Zylinder 4 in Reihe
Maximale Leistung kW / PS 180 kW / 245 PS
Max. Drehmoment 370 Nm bei 1.600 - 4.300 U/min
Getriebe 7-Gang-Doppelkupplung
Beschleuningung 0-100 km/h 6,2 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit 250 km/h
Norm-Verbrauch auf 100km 6,3 Liter
Verbrauch real auf 100km 9,0 Liter
Reifenmarke und –format des Testwagens Bridgestone Potenza 225/40 R18
Leergewicht 1.415 kg
Länge / Breite / Höhe 4.268 / 1.799 / 1.482 mm
Grundpreis 34.975 Euro (mit DSG)
Testwagenpreis 45.240 Euro
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Text: Bernd Conrad
Bilder: Bernd Conrad