VW Golf Variant vs. Skoda Octavia Combi Familienfreunde

Was unterscheidet den neuen VW Golf Variant vom Skoda Octavia Combi? Worin gleichen sie sich? Ein Vergleich der beiden Kompaktkombis.

Die Rollenverteilung innerhalb des weit aufgefächerten Volkswagen-Konzernportfolios schien lange Zeit klar zu sein. Zumindest für die Marke Skoda. Nachdem man sich den Mantel der Billig-Alternative aus dem Osten abgestreift hatte, sollte der geflügelte Pfeil im Logo vor allem für Autos mit viel Platz stehen. Mehr Platz als die Mitbewerber – auch jene aus dem eigenen Stall.

Bei den neuen Modellgenerationen der kompakten MQB-Brüder gerät dieses Bild ins Wanken. Während der VW Golf 8 seinem Format mit einem Radstand von 2,62 Metern treu blieb, tischte der Skoda Octavia mal wieder mehr auf. 2,69 Meter streck er seine Achsen auseinander. Dieser Wert sorgt neuerdings aber auch beim Seat Leon für familientaugliche Platzverhältnisse auch im Fond.

Der Vergleich im Video (ab 18.02., 18:00h)

Der Vergleich des Leon Sportstourer mit dem Octavia Combi zeigte das kürzlich. Und jetzt biegt auch noch der neue VW Golf Variant ums Eck, muss dabei ebenso einen größeren Kurvenradius bedenken.

Im Vergleich zum Fünftürer mit Steilheck dehnt auch der Golf Variant seine Räder um eben jene zusätzlichen sieben Zentimeter weiter auseinander. Damit verlässt auch er beinahe die Kompaktklasse und klopft vehement an der Kombi-Mittelklasse an. Sowohl Golf Variant als auch Octavia Combi bieten mehr als ausreichende Platzverhältnisse im Fond. Mit dem Kombiheck passt auch die Kopffreiheit in beiden Kontrahenten für Sitzriesen und Hutträger.

Beide geben den Familienfreund

VW Golf Variant Skoda Octavia Combi Vergleich Test Video 2021

Der VW sorgt sich mit praktischen kleinen Taschen für Smartphone und Co. um seine Passagiere. Das reicht aber nicht, um die praktische Inneneinrichtung des Octavia zu übertrumpfen. Er hält zwei Stautaschen an den Rückseiten der Vordersitzlehnen und, zwar optional aber immerhin, einen Tablet- und Smartphone-Halter, ein Schlafpaket mit ausklappbaren Seiten der Kopfstützen und Decke, sowie ausziehbare Sonnenschutzrollos in den Fondtüren bereit.

Zudem ist der tschechische Bruder dem Wolfsburger mittlerweile in Anmutung und Komposition der verwendeten Materialien enteilt. Ein paar chrombedampfte Leisten und Abwechslung im Plastik sorgen für einen wertigeren Innenraum.

Schickeres Cockpit im Skoda

Das gilt auch weiter vorne. Das Cockpit des Skoda ziert eine Stoffleiste im Armaturenbrett, was den Innenraum ebenso aufwertet die die Türverkleidungen. Der VW hält hochglänzende Flächen in Klavierlackoptik dagegen, die starke Magnete für Staub und Fingerabdrücke sind.
Beide Kontrahenten nutzen den MIB3 (Modularer Infotainmentbaukasten der dritten Generation) und bieten in den getesteten Ausstattungen einen volldigitalen Innenraum. Der Skoda sorgt für ein wenig mehr Orientiert im Menüdschungel. Eine Leiste mit physischen Tasten lässt den direkten Zugriff auf diverse Punkte zu, was intuitiver und alltagstauglicher ist als die vier Tastfelder in der Mittelkonsole des Golf.

Wenn man sich das digitale Kombiinstrument hinter dem Lenkrad konfigurieren will, bietet der Golf jedoch das bessere Konzept. Mit der „View“-Taste lassen sich die Anzeigen ändern, mit den Tasten darüber die Informationseben ändern. Beim Skoda drück man ewig auf Walze und Knöpfen herum, vergisst dabei immer wieder den Weg der Menüführung.

Mildhybrid spart Benzin

VW Golf Variant Skoda Octavia Combi Vergleich Test Video 2021

Starten wir zu den Probefahrten in den beiden Kombis. Der Motor ist bei VW und Skoda der gleiche: Ein 1,5 Liter großer TSI-Vierzylinder mit 110 kW / 150 PS und einem maximalen Drehmoment von 250 Nm. Der Octavia-Testwagen trat mit manuellem Sechsganggetriebe an. Mit etwas langen Wegen lässt es sich gut und präzise schalten, im Schubbetrieb knipst der Benziner zum Spritsparen zwei der vier Zylinder aus.

Als 1.5 TSI ist der Skoda Octavia ein entspannter Gleiter ohne allzu große Dynamik-Ambitionen. Zusammen mit dem optionalen DCC-Fahrwerk mit adaptiven Dämpfern gibt es den komfortablen Familienfreund.

Das gilt ebenso für den VW Golf Variant. Er trat als R-Line zum Test an, brachte damit auch die gute Progressivlenkung mit. Mit dem DCC ist beim Fahrkomfort kein wirklicher Unterschied zum Skoda feststellbar, beide Kombis standen auf 17 Zoll großen Rädern.

Im Gegensatz zum Octavia brachte VW den Golf Variant als 1.5 eTSI. Der Mildhybrid mit 7-Gang-DSG gilt als klare Empfehlung. Beim Bremsen wird Energie in eine kleine Lithium-Ionen-Batterie unter dem Beifahrersitz gelenkt. Mit ihr lässt sich u.a. die Komfortausstattung an Bord versorgen, wenn der Golf beim Gleiten mal wieder den Motor ausstellt. Das macht er, auch bei winterlichen Minusgraden, auf Landstraßen und auch auf der Autobahn sehr oft. Von der Pause des Verbrenners merkt man ebenso wenig wie von dem Moment, wenn er vom Riemenstartergenerator wieder angeworfen wird. Geräusche und Vibrationen wurden hervorragend wegkonstruiert.

Länge läuft

VW Golf Variant Skoda Octavia Combi Vergleich Test Video 2021

6,5 Liter Benzin verbrauchte der Mildhybrid im Testzeitraum auf 100 Kilometer. Angesichts der Größe des Autos und teils eiliger Autobahnfahrt ein guter Wert. Der Skoda Octavia mit dem gleichen Motor, aber ohne Elektrifizierung, genehmigte sich 7,2 Liter Supersprit. Der Vollständigkeit halber sei erwähnt: Das Modellangebot erlaubt sowohl die Wahl des Golf mit 150 PS und Schaltgetriebe als auch die des Skoda Octavia als Mildhybrid, der dort e-Tec heißt.

VW Golf Variant und Skoda Octavia Combi sind sich also in allen Punkten sehr ähnlich, mittlerweile auch in der einstigen Skoda-Domäne „Platz im Fond“. Auch beim Kofferraumvolumen nähert sich der Golf dem Skoda-Universum an. Er bietet 611 bis maximal 1.642 Liter, der Octavis 640 bis 1.700 Liter. Schade: Eine ebene Ladefläche bei umgekappter Fondelehne ist weder hier noch da zu finden.

Reiß der Tscheche jetzt das Ruder zumindest beim Preis wieder in gewohnte Traditionen? Jein. Ein Billigmarke ist Skoda schon lange nicht mehr. Der Octavia Combi ist etwas teurer als der Seat Leon Sportstourer, darf ich aber auf Kundenwunsch auch mit High-Tech-Extras wie Head-up Display und Matrix-LED schmücken. Das gilt auch für den VW Golf.

Das kosten Golf und Octavia

VW Golf Variant Skoda Octavia Combi Vergleich Test Video 2021

Der kostet als manuell geschalteter 1.5 TSI in der Ausstattungsline Style 31.260 Euro. Der Skoda Octavia Style ist mit 30.450 Euro kaum günstiger. Bei den Ausstattungsunterschieden gilt es, seine eigenen Bedürfnisse und Wünsche genau zu kennen. Der Octavia bringt den schlüssellosen Zugang, 18-Zoll-Felgen und ein Audiosystem mit 10-Zoll-Display mit. VW steckt jedem Golf Variant Style eine adaptive Geschwindigkeitsregelanlage mit Stop&Go-Funktion und eine induktive Ladeschale für das Smartphone mit ein.

Beim Vergleich der Testwagenpreise schlägt das Pendel zugunsten des Skoda Octavia, dessen Konfiguration 39.300 Euro kostet. Der VW Golf Variant wirkt mit 42.390 Euro deutlich teurer, hat aber das R-Line-Paket mit Progressivlenkung, Sportsitzen und geänderter Optik sowie das DSG mit Mildhybridsystem an Bord.

Fazit

VW Golf Variant Skoda Octavia Combi Vergleich Test Video 2021

Selten endete das Duell der kompakten Kombis aus dem Volkswagen-Konzern so sehr in der Schublade „Geschmackssache“. Golf Variant und Octavia Combi bieten viel Platz für die Passagiere, der Skoda hat ein leichtes Plus im Gepäckraumvolumen (640 bis 1.700 Liter vs. 611 – 1.642 Liter).
Preislich liegen beide Modelle dicht beieinander, am Ende dürften die Leasing- oder Finanzierungsraten den Ausschlag geben. Oder der wertigere Eindruck im Innenraum des Skoda, der damit den Aufenthalt im Auto ebenso versüßt wie mit den erwähnten Komfortextras.

Eine klare Empfehlung ist das Mildhybridsystem, das mit dem DSG für mehr Schaltkomfort sorgt und spürbar Sprit spart.

Technische Daten

VW Golf Variant 1.5 eTSI // Skoda Octavia Combi 1.5 TSI

Abgasnorm Euro 6d-ISC-FCM
Hubraum 1.498 ccm
Anzahl und Bauform Zylinder 4 in Reihe
Maximale Leistung kW / PS 110 kW / 150 PS bei 5.000 - 6.000 U/min
Max. Drehmoment 250 Nm bei 1.500 - 3.500 U/min
Getriebe 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe // 6-Gang-Schaltgetriebe
Beschleuningung 0-100 km/h 8,7 Sekunden // 8,5 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit 224 km/h // 225 km/h
Norm-Verbrauch auf 100km 4,9 Liter // 5,1 - 5,2 Liter
Verbrauch real auf 100km 6,5 Liter // 7,2 Liter
Leergewicht 1.425 kg // ca. 1.500 kg
Anhängelast (gebremst) 1.500 kg
Länge / Breite / Höhe 4.633 / 1.789 / 1.498 mm // 4.689 / 1.829 / 1.453 mm
Grundpreis 33.985 Euro (R-Line 1-5 eTSI) // 30.450 Euro (Style 1.5 TSI)
Testwagenpreis 42.390 Euro // 39.300 Euro
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Text: Bernd Conrad
Bilder: Andreas Hof, Bernd Conrad