Die neue Generation Citroën 2CV im ersten Check, auch als Video-Review!
Im Jahr 1948 zeigte Citroën das Konzept „Toute Petite Vehicle“ (sehr kleines Auto) mit dem Anspruch, vier Personen, sechs Eier und 50 Kilogramm Kartoffeln effizient von A nach B zu bringen. 1949 begann die Produktion des 2CV, der sich zum Kult-Bestseller entwickelte. Die Ente, so der Spitzname auf dem deutschen Markt, den es auch als Fourgonnette mit Kastenaufbau gab, hat sich bis zum Jahr 1990 über 5,1 Millionen Mal verkauft.
Wie sieht die neue Ente aus?
Jetzt plant Citroën die lange erwartete Neuauflage des 2CV. Auf der Paris Motor Show steht das Concept Car zur elektrischen Ente im Scheinwerferlicht. Wir durften uns das Einzelstück bereits im Vorfeld ansehen und auch mit den Designern sprechen. Die Studie soll „zu 99% dem späteren Serienauto“ entsprechen, wie man uns versicherte.
Im leuchtenden „Infra Red“ steht der 3,76 Meter lange Fünftürer auf 19-Zoll-Stahlfelgen. Schon auf den ersten Blick darf man den Citroën-Designern gratulieren. Mit ruhiger Hand haben sie eine Ente der Neuzeit geschaffen, deren Linienführung das geschickte Spiel mit Retro-Elementen beherrscht, ohne dass dieses zum Selbstzweck verkommt.
An der rundlichen Front mit großem Logo ragt eine klassische Stoßstange hervor. Hier wird nicht nur die Vergangenheit zitiert, sondern für Reparaturfreundlichkeit gesorgt. Bei Beschädigungen nach kleineren Remplern kann dieses Element mit der darunterliegenden Struktur ausgetauscht werden, die Karosserie bleibt unberührt.
Der Citroën 2CV im Video
Auf den runden Kotflügeln stehen die LED-Scheinwerfer in schwarzen Gehäusen, umrahmt von Tagfahrlicht-Leisten. Rillen auf der Motorhaube gehören ebenso zum 2CV-Design wie eine Einkerbung am Kotflügel, die sich in Richtung Fahrgastzelle vertieft. Unter der steilen Windschutzscheibe lassen sich, wie beim Original, Lüftungsklappen von innen öffnen. Beim spätere Serienauto dürfte dieses Zitat – mutmaßlich - nicht mehr zu finden sein. Das gilt auch für die einfachen, manuell verstellbaren Außenspiegel ohne Gehäuse und die herrlich klassischen Türgriffe.
Comeback für das Stoffdach
Das manuell aufrollbare Stoffdach dürfte es aber gerne in die Serie schaffen. Das textile Material wird durch die schwarze Heckklappe optisch am Heck verlängert, die Form der Rückleuchten beschränkt sich auf schmale vertikale LED-Leisten. Über der auch hier separat angebrachten Stoßstange präsentiert sich die gewollte Asymmetrie aus nach links gerücktem Kennzeichen und dem 2CV-Schriftzug als auffallendes Element.
Die beiden Dreier-Sitzbänke ohne Kopfstützen sind reine Concept-Car-Folklore. Beim Cockpit konnten sich die Designer austoben, da eine gewisse Leere wohl als einzige Eigenschaft der Armaturenlandschaft in der alten Ente in Erinnerung geblieben ist. Neben dem markentypischen Einspeichen-Lenkrad ragt ein Hebel zum Einlegen der Fahrstufe hervor. Er kann gedreht und nach vorne (für das Vorwärtsfahren) oder nach hinten (Rückwärtsgang) bewegt werden, was an die frühere Revolverschaltung im 2CV erinnert.
Ein schmales Display am unteren Rand der Windschutzscheibe hält alle für den Fahrer relevanten bereit. Hier dürften sich die Produktplaner im Konzernregal bedienen können und die Anzeigen aus dem aktuellen Citroën C3 / ë-C3 übernehmen. Ein zentrales Display ist in einem modernen Auto unabdingbar, hier dürften dann auch die Inhalte der Smartphone-Integration angezeigt werden. Vor dem Beifahrer hängt ein herausnehmbares Radio-Element mit Lautsprecher im Cockpit. Dieses „Radioën“ dürfte es später, wie auch den Ablagekorb für den Fahrzeugboden, im Zubehör geben.
Das Citroën 2CV Concept ist ein Einzelstück und als handgefertigter Prototyp recht fragil. Weil die Studie bis zum großen Auftritt im Rahmen der Paris Motor Show heil bleiben soll, können wir leider nicht zur Sitzprobe starten. Dafür stehen im Foto- und Filmstudio aber ältere Enten-Exemplare bereit. Auf dem flauschigen Fahrersitz mit Komfort im Stil eines verbrauchten Gartenstuhls hat man im Klassiker erstaunlich viel Platz. Bei der Neufauflage soll hier aber deutlich nachgelegt werden, zusätzlich müssen auch Versteifungen für die Crash-Sicherheit, Airbags und weitere Bauteile ihren Platz finden.
Was ist die Fahrzeugklasse M1E?
Ein Grund für den späten Serienanlauf des Citroën 2CV dürfte auch in der Verabschiedung geplanter EU-Zulassungsregularien für die neue Fahrzeugklasse M1E. Mit ihr soll Autofahrern der Zugang zu günstigen Elektroautos ermöglicht werden, gleichzeitig wird die einheimische Industrie gestärkt.
Die Parameter für M1E sehen eine maximale Länge von 4,20 Metern und reinen Elektroantrieb vor. Eine Beschränkung der der Motorleistung und / oder der Höchstgeschwindigkeit gibt es, anders als bei Leichtfahrzeugen, nach aktuellem Stand nicht. M1E-Fahrzeuge werden die auch für größere Pkw geltenden Zulassungsvorschriften bis hin zur Crash-Sicherheit einhalten müssen. Die Autohersteller haben dennoch eine hohe Motivation, die Modelle möglichst günstig anzubieten, um auf hohe Stückzahlen zu kommen. Die elektrischen Kleinwagen zahlen mit „Super Credits“ in erhöhtem Maße auf die CO2-Flotten-Emissionswerte ein, was Strafzahlungen verringert oder ganz vermeidet.
Was soll die neue Ente kosten?
Informationen zur Technik des neuen Citroën 2CV gibt es noch nicht. Der Bauraum zwischen den Achsen und das geplante Leergewicht des Autos von rund einer Tonne schränken die Akku-Größe jedoch ein. Auch mit Blick auf Konkurrenten wie den (bereits erhältlichen) Renault Twingo lässt eine Speicherkapazität von rund 30 kWh für etwa 280 bis 300 Kilometer Reichweite erwarten. Das geringe Gewicht dürfte der neuen Ente dabei in die Hände spielen, der Twingo wiegt knapp 1.300 Kilogramm.
Für das Basismodell des 2CV peilt Citroën zum Marktstart im Jahr 2028 einen Preis von rund 15.000 Euro an. Dazu dürfte es vielfältige Individualisierungs-Optionen und Extras geben. Ob die Kunden auch bei Akku-Größe und Motorleistung eine Wahl haben werden, ist noch nicht bekannt.
Als gesichert gilt ein Konzernbruder auf gleicher Basis mit Fiat-Logo. Die italienische Stellantis-Marke dürfte den elektrischen Nachfolger des Panda / Pandina ebenfalls als M1E-Fahrzeug planen, vielleicht zusätzlich auch eine zukünftige Neuinterpretation des Fiat 500.
Fazit
Nach Renault beweist auch die Marke Citroën ein Gespür für die eigene Geschichte. Das Concept Car auf der Paris Motor Show zeigt eine gelungene Neuinterpretation des klassischen Citroën 2CV, im Volksmund als Ente bekannt. 2028 soll das Serienmodell starten, dass sich nur in Einzelheiten von der hier gezeigten Studie unterscheidet.
Auch der Anspruch beim Preis soll die eigene Vergangenheit zitieren: Als Vertreter einer neuen, durch den EU-Gesetzgeber noch final zu definierenden Fahrzeugklasse mit dem Namen M1E, soll der neue 2CV zum Basispreis von rund 15.000 Euro zu haben sein. Die Vorfreude auf 2028 steigt…