Volvo EX60 (2026)

Volvo EX60 (2026) Neue Schweden-Klasse

12:48 Min.

Besser als BMW iX3 und Mercedes GLC? Der Volvo EX60 im ersten Check mit Sitzprobe, auch als Video-Review.

Volvo holt zum Aufschlag bei den Elektro-SUV aus. Der neue EX60 soll mit neuer Plattform, hoher Ladeleistung und moderner Infotainment-Software die Konkurrenz aus Ingolstadt, München, Seoul und Stuttgart in Schach halten. Im Sommer 2026 kommt der Volvo EX60, der parallel zum nur etwas kleineren XC60 als Mild- und Plug-in Hybrid angeboten wird, auf den Markt. Wir haben schon jetzt alle Informationen zum neuen Schweden und berichten auch von der ersten Sitzprobe.

Erstmals Megacasting

Der Volvo EX60 ist das erste Modell der Marke, bei dessen Produktion die Megacasting-Technologie verwendet wird. Ein Großteil des Hinterwagen-Unterbodens wird im Druckgussverfahren aus recyceltem Aluminium in einem Teil, anstelle hunderter Einzel-Elemente, hergestellt. Das vereinfacht und gestaltet die Produktion günstiger. Bei der Konstruktion wurde die Möglichkeit zur Reparatur mit dem Austausch von Elementen des Megacasting-Teils bedacht, Volvo-Werkstätten können beschädigte Unfallfahrzeuge somit günstiger wieder in Ordnung bringen. Das soll helfen, die Typklassen-Einstufung bei der Kfz-Versicherung auf einem geringen Niveau zu halten.

Mit einer Länge von 4.803 Millimetern sortiert sich der Volvo EX60 in die Reihe seiner ärgsten Widersacher Audi Q6 e-tron (4.771 mm), BMW iX3 (4.782 mm) und Mercedes-Benz GLC (4.845 mm) ein. Im Vergleich zum weiterhin angebotenen Verbrenner-Bruder Volvo XC60 ist der EX60 neun Zentimeter länger, der Radstand fällt mit 2.970 Millimetern um zehn Zentimeter üppiger aus. Das neue Elektro-SUV ist außerdem 1.908 Millimeter breit und 1.635 Millimeter hoch, die Bodenfreiheit beträgt 18,2 Zentimeter.

Der Volvo EX60 im Video

Das Design des Volvo EX60 wirkt modern, folgt dabei gleichzeitig der Volvo-typischen Linienführung mit steiler Front und Tagfahrlicht-LED im Hammer-Design. Am Heck fällt der deutliche seitliche Einzug an den C-Säulen auf, der für einen stämmigen Auftritt sorgt. Die Türgriffe stecken an der Gürtellinie, sie sind in Form kleiner Finnen ausgeführt. An deren Rückseite gibt man per Tastendruck den elektronischen Befehl zur Öffnung. Es darf davon ausgegangen werden, dass die Schweden die sichere Funktionsweise der Griffe auch bei extremen Niedrigtemperaturen und anderen Wetterextremen getestet haben.

Hinter der serienmäßig elektrisch bedienbaren Heckklappe steht ein 523 Liter großer Kofferraum bereit, dessen Volumen nach dem Vorklappen der Rücksitzlehne auf 1.647 Liter steigt. Darin eingerechnet ist das 63 Liter große Kellerabteil unter dem doppelten Ladeboden. Er ist im Verhältnis 60/40 zweigeteilt und erlaubt damit auch den Zugang zu Ladekabel, Eiskratzer und Co., wenn Ladung mitfährt. Unter der vorderen Haube steht ein weiteres Staufach (Frunk, Front Trunk) mit 58 Litern Volumen zur Verfügung.

Drei Antriebe zur Wahl

Der Volvo EX60 fährt in der Basis P6 mit Heckantrieb vor, die stärkeren Versionen mit zwei Elektromotoren haben Allradantrieb.

Mit dem Marktstart des EX60 zieht eine neue Nomenklatur zur Unterscheidung der einzelnen Antriebsvarianten bei Volvo ein. Der Buchstabe „P“, der mutmaßlich für Performance (Leistung) steht wird mit einer Zahl kombiniert. Das Basismodell ist der Volvo EX60 P6 mit 275 kW (374 PS) starkem Heckmotor. Die Maschine stellt ein Drehmoment von 480 Newtonmetern bereit und beschleunigt das SUV in 5,9 Sekunden auf 100 km/h. Wie bei allen aktuellen Volvo-Modellen ist die Höchstgeschwindigkeit bei 180 km/h begrenzt.

Der Akku, der in Cell-To-Body-Bauweise ein integraler Bestandteil der Fahrzeugstruktur ist, stellt eine netto nutzbare Kapazität von 80 kWh (brutto 83 kWh) zur Verfügung. Bei einem WLTP-Normverbrauch von 14,7 kWh/100 km soll er für eine Reichweite von bis zu 620 Kilometern sorgen. Am Schnelllader kann der Füllstand der Batterie in 18 Minuten von zehn auf 80 Prozent gehievt werden, die maximale Ladeleistung liegt bei 320 kW. Für das Laden mit Wechselstrom an einer Wallbox und an öffentlichen Ladesäulen ist ein 22-kW-Ladegerät serienmäßig an Bord. Damit bietet der Volvo EX60 einen Wettbewerbsvorteil im Vergleich zu vielen Konkurrenten, das Laden im urbanen Raum wird damit wesentlich komfortabler.
Die Anhängelast des EX60 mit Heckantrieb liegt bei 2.000 kg, alle Varianten bieten zudem eine Stützlast von 100 kg.

P10 AWD heißt der Volvo EX60 mit Zweimotoren-Allradantrieb und einer Leistung von 375 kW (510 PS), das Drehmoment liegt bei 710 Newtonmetern. Diese Version spurtet bei Bedarf in 4,6 Sekunden auf Ladstraßentempo. 91 kWh nutzbare Strommenge stellt der Akku hier bereit (brutto 93 kWh), genug für 660 Kilometer Reichweite bei einem Normverbrauch von 15,7 kWh/100 km. Die maximal erreichbare Ladeleistung über den CCS-Anschluss wird mit 370 kW angegeben, das Laden von zehn auf 80 Prozent ist in 18 Minuten erledigt.

Das Topmodell der Baureihe ist der Volvo EX60 P12 AWD mit 500 kW (680 PS) und 790 Newtonmetern Drehmoment. Er erledigt Nullhundert in 3,9 Sekunden und verbraucht nach Norm 16,0 kWh/100 km. Dank 112 kWh Speicherkapazität im Akku (brutto 117 kWh) soll eine Reichweite von 810 Kilometern möglich sein. Wohl nicht ganz zufällig fünf Kilometer mehr, als BMW für den neuen iX3 50 xDrive angibt. Auch dieser EX60 schafft bis zu 370 kW am Schnelllader, aufgrund der größere Strommenge vergehen für das Laden von zehn auf 80 Prozent 19 Minuten.

Beide Allradmodelle haben, bei unveränderter Stützlast, eine höher Anhängelast von 2.400 kg. Der Frontmotor bei P10 und P12 wird nur bei Bedarf innerhalb von 0,2 Sekunden zugeschaltet, was die Effizienz verbessern soll. Die optimale Schnellladung wird mit vorkonditioniertem Akku erreicht. Die Batterieheizung, die etwa 30 bis 40 Minuten dauert, steuert die Software über die Routenführung von Google Maps, sofern der Ladestopp eingeplant wurde.

EX60 Cross Country

Unterfahrschutzbleche, Design-Details und eine Luftfederung heben den EX60 Cross Country von den regulären Modellen ab.

Parallel zu den regulären Varianten ist auch der Volvo Cross Country bestellbar, der jedoch erst im Jahr 2027 zur Auslieferung kommt. Optisch ist er auf den ersten Blick erkennbar. Unterfahrschutzbleche aus Edelstahl an beiden Stoßfängern und schwarze Kunststoffdetails sorgen, zusammen mit den unlackierten Radläufen und schwarzen Felgen, für einen rustikalen optischen Auftritt. Am Heck stellt der in den Stoßfänger gravierte „Cross Country“-Schriftzug eine Reminiszenz an den ersten Volvo V70 Cross Country dar. Die Zusatzbezeichnung ist auch auf einer Edelstahlleiste in der breiten C-Säule zu sehen. Das Interieur bietet spezielle Sitzbezüge und Fußmatten, unterscheidet sich aber sonst nicht von den anderen Varianten.

Der Cross Country ist in den beiden Allrad-Motrovarianten, also als Modell P10 mit 375 kW (510 PS) und als P12 mit 500 kW (680 PS) in Verbindung mit 91 kWh Akku-Kapazität zu haben. Die Bodenfreiheit des Volvo EX60 fällt um zwei Zentimeter größer aus (20,2 statt 18,2 Zentimeter). Außerdem kann man das Fahrzeug, beispielsweise bei einer Fahrt im leichten Gelände, um zweitere zwei Zentimeter anheben. Bei höherem Tempo wird die Karosserie für eine bessere Aerodynamik abgesenkt. Das bringt uns zum Thema Fahrwerk.

Drei Fahrwerks-Typen

Nur beim Volvo EX60 Cross Country kann die Fahrzeughöhe variiert werden.

Exklusiv im Volvo EX60 Cross Country gibt es ein hier serienmäßiges Luftfahrwerk, das die Höhenvariant ebenso gestattet wie eine Absenkung des Hecks zum besseren Beladen des Kofferraums.

Die Allrad-Varianten P10 und P12 haben ein aktiv gesteuertes Fahrwerk mit adaptiven Dämpfern, deren Abstimmung im Cockpit dreistufig eingestellt werden kann. Der EX60 P6 mit Heckmotor reagiert mit seinem FSD-Fahrwerk (Frequency Selective Damping, frequenz-selektive Dämpfung) passiv auf Anregungen vom Straßenuntergrund.

Die Sitzprobe

Im Fond bietet das neue Elektro-SUV der Schweden großzügige Platzverhältnisse.

Auf einen ersten Fahreindruck müssen wir (und daher leider auch du als Leser) noch warten, können aber schon zur Sitzprobe starten. Im Fond gefällt nicht nur das üppige Platzangebot, sondern auch dir angenehme Höhe der Sitzfläche in Relation zum Innenboden. Die Batteriepakete, die von CATL (P6 und P10) bzw. Sunvoda (P12) zugeliefert werden, sind als „Cell-to-Body“ Teil der Karosseriestruktur. Der Akku liegt also nicht kastenförmig im Boden, was die Sitzposition entscheidend verbessert. Mit den serienmäßig elektrisch in der Neigung verstellbaren Fondlehnen kann man es sich gemütlich machen und mit der ebenfalls aufpreisfreien Dreizonen-Klimaautomatik auch in der zweiten Reihe eine Wohlfühltemperatur einstellen. Unverständlich ist der Verzicht auf Haltegriffe im Dachhimmel. Immerhin gibt es auch weiterhin Haken zum Aufhängen von Jacken und Leseleuchten für die Außenplätze. Auch vorne bietet der EX60 mehr als ausreichende Platzverhältnisse und gewohnt bequemen Sitzen.

Das Handschuhfach hat seine gewohnte Position vor dem Beifahrer verlassen, ein üppiger Stauraum mit Spanngurten für Kleinkram steckt hinter einer Klappe zentral in der Mittelkonsole. Das bringt den Vorteil, dass auch der Fahrer leicht an Gegenstände im Fach herankommt. Die Becherhalter kann man unter der Armauflage herausfahren, das entsprechende Fach lässt sich aber auch ohne die Aussparung für Getränke nutzen, um andere Dinge hier bereitzuhalten.

Infotainment und Konnektivität

Das Curved-Display mit nach hinten gebogenen Ecken steht vertikal im Raum - anders als bei anderen Volvo-Modellen.

Beim Blick auf das Cockpit muss man als Volvo-Fan umdenken. Als aktuell einziges Modell der Marke bringt der Neuling ein horizontal ausgerichtetes OLED-Display mit OLED-Technologie mit. Der Monitor ist gebogen (Curved Display), wobei die Außenseiten nach hinten gewölbt wurden. Das dürfte die Bedienung des Touchscreens auch für den Beifahrer erleichtern. Zudem kommt man (wie getestet werden konnte) sehr gut an die Icons auf einer Leiste am linken Display-Rand, ohne die Hand vom Lenkrad nehmen zu müssen.

Mit der Nvidia Drive AGX Orin – Plattform und der Qualcomm 8255 CPU soll der Volvo EX60 nicht nur fit für alle Rechenaufgaben sein, sondern mit Over-the-air-Updates auch regelmäßig frischgehalten werden. Die Software auf Android-Basis nutzt eine dialogorientierte KI mit Google Gemini.

Apps wie Musik-Streamingdienste (bis hin zu Apple CarPlay) können direkt ins Auto integriert werden, außerdem lässt sich das eigene Smartphone wie gewohnt kabellos integrieren. Google Maps ist als Navigationssystem vorinstalliert, die Kartengrafik kann auf Wunsch auch direkt auf das 11,4 Zoll große Display unter der Windschutzscheibe ins Blickfeld des Fahrers projiziert werden.

Serienmäßig bringt der Volvo EX60 ein BOSE-Soundsystem mit 1.200 Watt Leistung mit, das auch eine Noise-Cancelling-Funktion für Geräusche aus dem umliegenden Verkehr mitbringt. Im EX60 Ultra ist ein Bowers & Wilkins – System mit 1.610 Watt und Dolby Atmos eingebaut. Auch in den Kopfstützen von Fahrer, Beifahrer und den außen sitzenden Fond-Passagieren stecken Lautsprecher.

Die Bedienstruktur

Die Bedienung läuft über den Touchscreen oder eine Sprachsteuerung. Für die Audio-Lautstärke gibt es eine Drehwalze.

Alle Einstellungen von Lademanagement, Fahrassistenz und Klimaanlage werden über den mittigen Touchscreen (oder per Sprachsteuerung) vorgenommen. Shortcuts helfen bei der direkten Anwahl von oft genutzten Funktionen, beispielsweise der Aktivierung des „One Pedal Drive“ für maximale Energie-Rekuperation. Die einzigen physischen Elemente außerhalb des Multifunktionslenkrads und der beiden Lenkstockhebel sind eine edel anmutende, illuminierte Walze zur Einstellung der Audio-Lautstärke und die Tasten zum Ändern des Radiosenders oder des Musikstücks.

Wer die Außenspiegel und die Position des Lenkrads verstellen möchte, muss auch dafür erst den entsprechenden Menüpunkt auf dem großen Touchscreen auswählen, um dann die Justierung mit Lenkradtasten vorzunehmen. Immerhin: Im Gegensatz zum kleinen EX30 hat der neue Volvo EX60 wieder vier Fensterheber-Schalter, die in der Türverkleidung sitzen.

Das kostet der Volvo EX60

![Volvo EX60 2026 Ultra Cross Country](volvo-ex60-ultra-p12-2026-tuergriff-leiste___1767717342595.jpg?cropZoom=960,540 "In den Türgriff-Knubbeln stecken auch die Tasten für die Öffner.)

Die Preise für den Volvo EX60 starten bei 62.990 Euro für den P6 in der Ausstattungslinie Plus. Die Serienausstattung umfasst hier u.a. 20-Zoll-Felgen, Matrix-LED-Scheinwerfer, eine elektrische Heckklappe, ein Trennnetz für den Laderaum, ein Glasdach ohne Öffnungsfunktion und die erwähnte Dreizonen-Klimaautomatik. Das Upgrade zum P10 mit mehr Leistung, größerem Akku und Allradantrieb fällt mit 3.000 (auf 65.990) Euro relativ gering aus. Weitere 6.000 Euro mehr kostet der P12 AWD, als Plus also 71.990 Euro.

6.800 Euro teuer ist der Aufstieg zur Ultra-Ausstattung (EX60 P6 69.790 Euro, P10 AWD 72.790 Euro, P12 AWD 78.790 Euro). Die höhere Linie bringt zusätzlich 21-Zoll-Felgen, Pixel-LED-Scheinwerfer mit erweiterten Adaptiv-Funktionen, das bessere Soundsystem, eine Akustikverglasung und eine 3D-360-Grad-Rundumsicht mit. Das feste Glasdach lässt sich beim EX60 Ultra elektrochromatisch verdunkeln.

Fans des rustikalen Volvo EX60 Cross Country werden vom Verkaufsberater um Bereithaltung von 68.990 Euro für die Plus First Edition bzw. 75.790 Euro für die Ultra First Edition gebeten. Der Aufpreis zum EX60 P10 AWD liegt also in beiden Fällen bei 3.000 Euro.

Zeitversetzt soll eine Basis-Ausstattungslinie mit dem Namen Volvo EX60 Core starten. Sie dürfte den Einstiegspreis als P6 mit Heckantrieb auf unter 60.000 Euro drücken.

Fazit

Mit dem EX60 tritt Volvo gegen die neue Elektro-SUV-Konkurrenz in From von BMW iX3 und Mercedes-Benz GLC an.

Volvo bringt mit dem EX60 das erste Modell auf einer neuen Plattform für Elektrofahrzeuge. Die Chance einer Neuentwicklung wurde von den Schweden sinnvoll genutzt. Mit hohen Reichweiten und vielversprechenden Werksangaben zur Ladeleistung der Akkus will der EX60 der starken Konkurrenz in Form von BMW iX3 und Mercedes-Benz GLC mindestens auf Augenhöhe begegnen.

Bei der ersten Sitzprobe gefällt das üppige Platzangebot des in Göteborg gebauten EX60, die Bedienung im Cockpit mit einem horizontal montierten Display gelingt flüssig und schnell.

Mit Preisen ab 62.990 Euro für das Basismodell P6 Plus liegt der Volvo EX60 leicht unter den Tarifen der Premium-Mitbewerber und bringt eine umfangreiche Serienausstattung mit. Wir sind gespannt auf die ersten Testfahrten. Dann kann entschieden werden, ob der Aufschlag sitzt – und vielleicht sogar spielentscheidend ist.

Text: Bernd Conrad
Bilder: Andreas Hof, Bernd Conrad