VW ID.3 Facelift 2023 Alles gut im zweiten Anlauf?

Der VW ID.3 bekommt zum Facelift neues Blech und einen hochwertigeren Innenraum. Erste Informationen nach der Sitzprobe.



Der VW ID.3 fährt ab Frühjahr 2023 mit einem Facelift vor. Etwas früher als ursprünglich geplant reagieren die Wolfsburger damit auf Kundenkritik am bisherigen Modell. Augenmerk lag bei der Überarbeitung vor allem auf der Wertigkeit im Innenraum, dazu gibt es ein Design-Update.

Der ID.3 in seiner bekannten Form kann nicht mehr neu bestellt werden. Lange Lieferzeiten, auch bedingt durch die knappe Verfügbarkeit von Halbleitern, sind nicht nur bei VW der Grund für die Verzögerungen. Um das kompakte Elektroauto nicht aus dem Bestellsystem der Händler und somit aus dem Konfigurator nehmen zu müssen, wählten die VW-Strategen einen sympathischen Weg.

Das Video zum neuen VW ID.3

Neukunden, die jetzt einen ID.3 bestellen, kaufen „die Katze im Sack“. Der Online-Konfigurator der Marke listet ab sofort fünf teils vorkonfigurierte Sondermodelle zu Preisen ab 43.995 Euro (Stand November 2022, vor Abzug der Elektroauto-Förderung) auf.

Mit diesen Versionen startet das Facelift-Modell, das die Interessenten aber noch nicht sehen dürfen. Wir haben aber hinter verschlossenen Türen schon einmal einen mehr als ausgiebigen Blick auf den neuen VW ID.3 werfen dürfen. Zumindest kann man also erzählen, was zu sehen war und was die offiziellen Skizzen ankündigen. Warum noch keine Fotos veröffentlicht werden? Das liegt daran, dass der überarbeitete ID.3 noch nicht homologiert wurde und sich deswegen nicht öffentlich zur Schau stellen darf.

Er wird golfiger

Eines vorweg: Das Facelift des Elektroautos fällt dezent aus. Wer einen drastischen Kurswechsel beim Design erwartet hat, wird vielleicht enttäuscht. Im Gegensatz zu vielen anderen Modellpflegemaßnahmen trägt der ID.3 aber in der Tat ein neues Blechteil. Die vordere Haube wurde geändert. Sie verliert die schwarze Kunststoffleiste unter der Windschutzscheibe, was die Front optisch streckt. Zwei vertikale Sicken sorgen für einen neuen Auftritt.

Sie werden formal von neuen Lufteinlässen an den äußeren Enden des neuen Frontstoßfängers aufgenommen. Das lässt den VW ID.3 optisch etwas breiter wirken. Zudem wird durch den Luftstrom um die Vorderräder herum die Aerodynamik etwas verbessert. Kurz gefasst: Von vorne betrachtet wirkt der VW ID.3 nach dem Facelift etwas „golfiger“, weniger klotzig.

Die angedeutete Wabenstruktur im Kunststoff des Stoßfängers entfällt, was für einen erwachseneren Eindruck sorgt. Auch die optionalen Sticker in der C-Säule wird es nicht mehr geben. Sie kamen als Optionspaket mit einer silbernen Leiste über den Seitenfenstern, die künftig zur Serienausstattung gehört.

Neue Farben, neue Felgen

VW ID.3 Facelift 2023

Am Heck wurde das technische Innenleben der ansonsten unveränderten Leuchten geändert. Auch der Teil, der in die Heckklappe hineinragt, leuchtet nachts. Im Profil fallen neue Modellschriftzüge (Pro, Pro S) an den vorderen Türen und, je nach Ausstattung, neue 19-Zoll-Felgen auf. Die Räder in den Formaten 18 und 20 Zoll werden vom Vorgänger übernommen.

Drei neue Lackoptionen kommen ins Programm. Neben „Costasul“, einem Blauton und einem neuen Schwarz wird es für den ID.3 auch einen Grünton namens „Dark Olivian Green Metallic“ geben.

Besseres Ambiente im Cockpit

VW ID.3 Facelift 2023

Der Innenraum präsentiert sich spür- und sichtbar hochwertiger, wie die erste Sitzprobe zeigt. Die Querspange auf Höhe der Lüftungsdüsen ist künftig unterschäumt und bekommt ein haptisch hochwertigeres Material. Auch die Türverkleidungen wurden aufgewertet. Im ID.3-Basismodell tragen die Türpaneele Stoff, in den höheren Ausstattungslinien ein Mikrofasermaterial, wie man es aktuell aus dem ID.4 kennt. Auch die Bezüge der Sitze werden modisch neu arrangiert.

Der Innenraum ist komplett tierfrei, da – wie auch im ID.Buzz – auch beim Lenkradkranz auf Leder verzichtet wird. Serienmäßig bekommen alle Ausstattungslinien das größere 12-Zoll-Infotainmentdisplay. 2024 wird es hier eine weitere Änderung geben: Dann werden die Slider zur Einstellung von Temperatur und Audiolautstärke bei Dunkelheit hinterleuchtet. Dafür ist neue Hardware nötig, die 2023 zuerst im Mittelklasse-Modell VW ID.7 (Aero B) eingeführt wird. Der aktuelle Softwarestand 3.2 integriert neben „Plug & Charge“ auch den Travel Assist mit Schwarmdaten und den Parkassistent mit Memory-Funktion. Eine vorher angelernte Strecke, z.B. eine Einfahrt, kann das Auto selbsttätig rückwärts zurückfahren. Updates soll der Facelift-ID.3 "over the air" bekommen.

Zwischen den Vordersitzen ist die erweiterte Mittelkonsole mit zwei USB-Steckplätzen unter einer Abdeckung (je 45 Watt Leistung) Teil der Serienausstattung, bisher war sie Teil eines optionalen Pakets. Außerdem ist der doppelte Ladeboden beim VW ID.3 in Zukunft serienmäßig. Als neue Option zieht ein Beats-Soundsystem ein. Aktuell kann man die Lautsprecheranlage mit 395 Watt Leistung bereits im Schwestermodell Cupra Born (dort für 625 Euro Aufpreis) bestellen.

Jetzt bestellbar, aber nicht zu sehen

VW ID.3 Facelift 2023

Technisch ändert sich beim VW ID.3 nichts. Es bleibt beim Heckantrieb mit einem 150 kW (204 PS) starken Elektromotor. Allradantrieb wird es erst mit dem bereits angekündigten Sportmodell VW ID.3 GTX geben, der wohl später im Jahr 2023 seine Premiere feiern wird. Die Modelle Life, Business, Style und Max kommen mit dem 58 kWh großen Akku, der ID.3 Tour mit 77 kWh Netto-Speicherkapazität. Die maximale Ladeleistung liegt mit der kleinen Batterie bei 120 kW, beim großen Akku bei bis zu 170 kW.

Bestellbar ist der überarbeitete VW ID.3, wie gesagt, ab sofort, auch wenn er sich offiziell noch bis März verstecken muss. Die ersten Autos im neuen Look werden wohl im vierten Quartal 2023 ausgeliefert. Der aktuelle Auftragsbestand lässt bis dahin noch das aktuelle Modell von den Bändern purzeln.

„Golfiger“ wird nicht nur die Frontansicht, sondern – zumindest teilweise – auch die Herkunft. Zusätzlich zu den bestehenden Produktionsstätten in Zwickau und Dresden (Gläserne Manufaktur) wird der überarbeitete VW ID.3 künftig auch im Stammwerk Wolfsburg gebaut.

Fazit

VW ID.3 Facelift 2023

Es weht ein neuer Wind in Wolfsburg. Mit dem Wechsel im Konzern- und Markenvorstand von Volkswagen konzentriert man sich wieder mehr auf Kundenwünsche und die Autos, es diktiert nicht nur der Rotstift.

Der VW ID.3 wird mit dem sanften Facelift im Frühjahr 2023 vor allem hochwertiger im Innenraum. Die Slider unter dem Infotainment-Display lassen sich aber erst ab 2024 beleuchten. Mal sehen, wann es auch wieder vier Fensterheber-Tasten in der Fahrertür geben wird. Hoffnung ist da, denn scheinbar hört VW ja zu…. und liest vielleicht auch mit.

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Text: Bernd Conrad
Bilder: Hersteller
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