VW Touareg 2018 Sitzprobe Digitale Oberklasse

Premiere für den neuen VW Touareg. AUTONOTIZEN saß schon drin.

Wenn im Frühsommer der neue VW Touareg in den Handel kommt, geht die zweite Generation der SUV-Baureihe nach acht Jahren in den Ruhestand. Eine lange Zeit, in der sich viel geändert hat.

VW Touareg 2018 Sitzprobe Premiere Fotos Marktstart

Mehr noch als 2010 hat sich die Bauart der einstigen Geländewagen zum für viele unverzichtbaren Lifestyle-Produkt entwickelt. Damit stellt es für VW auch kein Problem dar, dass der Touareg nach dem Ende des Phaeton die Fahne in der automobilen Oberklasse alleine hochhalten muss.

Das wird ihm gelingen. Schon bisher war der Touareg, im Gegensatz zur verblichenen Limousine, im Premiumsegment voll und ganz akzeptiert. Das neue Modell unterstreicht den Anspruch von Produkt und Marke mit einem selbstbewussteren Auftritt.

Das Design wird vor allem von der dominanten Frontpartie beherrscht. Der riesige Kühlergrill zieht sich über die gesamte Breite und vereinnahmt auch die Scheinwerfer. Die leuchten auf Wunsch in Matrix-LED-Technik nicht nur adaptiv die Straße aus. In Verbindung mit dem ebenfalls aufpreispflichtigen Nachtsichtassistenten werden einzelne LED-Lichtmodule dazu genutzt, Personen oder Tiere in der Dunkelheit gezielt anzustrahlen, um den Touareg-Fahrer zu warnen.

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Hinter der mächtigen Kühlermaske, die es beim sportlich angehauchten R-Line-Modell in Verbindung mit Black Style-Paket übrigens auch im hochglänzenden Schwarz statt funkelndem Chrom geben wird, stehen zum Marktstart zwei Dieseltriebwerke zur Wahl.

Der 3.0 TDI-Sechszylinder wird mit 170 kW / 231 PS oder mit 210 kW / 286 PS maximaler Leistung angeboten. Beide haben einen SCR-Katalysator und AdBlue-Einspritzung, erfüllen damit die Abgasnorm Euro6 AG.

Zeitversetzt kommt der Benziner 3.0 TSI auf den Markt. Sein aufgeladener V6 ist aktuell unter anderem im neuen Audi A7 Sportback zu haben, er leistet 250 kW / 340 PS. Ihn konnte ich, wie auch den stärkeren der beiden V6-TDI, bereits im noch getarnten VW Touareg ausgiebig Probefahren.

Wohl erst 2019 wird das vorläufige Touareg-Topmodell auf den Markt kommen. Es macht äußerlich mit einem V8-Logo im Kühlergrill lauf sich aufmerksam. Dahinter verbirgt sich der vier Liter große Achtzylinder-TDI aus dem Bentley Bentayga. Im neuen VW Touareg wird er 310 kW / 421 PS leisten. Alle Motoren verteilen ihre Kraft über eine Achtgang-Wandlerautomatik.

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Wo bleibt der elektrifizierte Touareg? Vorerst in China. Dort soll zum Marktstart ein Plug-in Hybrid kommen, der den bekannten 2.0 TSI-Vierzylinder (EA888) mit einem Elektromotor koppelt. Die Systemleistung beträgt 270 kW / 367 PS.

Die Produktplaner in Wolfsburg haben noch nicht abschließend entschieden, ob der später auch in Europa kommende Touareg mit Elektrounterstützung diese Antriebskombination erhält, oder ob man aus Prestigegründen auf einen Dreitliter-Sechszylinder für den Verbrenneranteil setzt. Auch dieses Modul existiert bereits im Bentley Bentayga, dessen Hybrid-Version wurde jüngst auf dem Genfer Salon vorgestellt.

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„Der neue VW Touareg ist das am weitesten digitalisierte SUV-Modell auf dem Markt“, lenkt Modellreihenleiter Dr. Jochen Brüning die Aufmerksamkeit in Richtung Innenraum. Der empfängt nicht nur mit einem gewohnt großzügigen Raumangebot vorne und hinter bei annähernd gleichem Radstand im Vergleich zum Vorgänger (+1mm), sondern vor allem durch ein schickes Cockpit.

Um das volle Digitalprogramm zu bekommen, muss der künftige Kunde natürlich fleißig Extras bestellen. Ab Werk wird der Touareg mit analogen Rundinstrumenten und dem bekannten Discover Pro – Navigationssystem sowie eigener Bedieneinheit für die Klimaautomatik vorfahren.

Die höchste Ausbaustufe im Armaturenbrett nennt VW Innovision Cockpit. Dann gibt es das 12 Zoll große Active Info Display (digitale Instrumente) hinter dem Lenkrad, das für den Einsatz im noblen Modell nochmals überarbeitet wurde.

Rechts daneben staunt der Fahrer über ein nochmals größeres Display mit 15-Zoll-Diagonale und gebogener Oberfläche (Curved Display). Discover Premium nennt VW das neue System, das sämtliche Funktionen des Infotainments, die Fahrzeugeinstellungen und auch die Bedienung von Sitzeinstellung und Innenraumklima über den berührungsempfindlichen Bildschirm ermöglicht.

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Die Auflösung ist gestochen scharf, eine kleine Kante vor dem Display ermöglicht das Ablegen des Handballens zum ruhigen Fingertapser.
Die Konfigurationsmöglichkeit des Home-Bildschirms, wie man ihn schon vom Discover Pro-System kennt, wird durch eine zusätzliche Direktwahltaste auf der linken Seite komplettiert. Hier kann man sich zum Beispiel die Heimatadresse oder oft genutzte Einstellungen hinräumen und mit einem Druck aktivieren.

Den Home Button haben sich die Entwickler von ihren Smartphones und Tablet abgeguckt, er erleichtert die Bedienung in der Tat. Beim zielgenauen Fingerwischen und der gut zuhörenden Sprachsteuerung vergisst man beinahe, dass auch das Discover Premium Gestensteuerung kann. Aber auch wenn man sich daran erinnert, lässt man das Herumgefuchtel sein und denkt daran, dass sich das bald als Irrweg in der Geschichte von Mensch-Maschinen-Schnittstellen erweisen wird.

Beim Radioempfang setzt der neue Touareg übrigens erstmals auf die Verschmelzung von Internetradio und terrestrischem Empfang. Damit soll es beispielsweise möglich sein, auch beim Hören eines FM-Senders den Liedtitel angezeigt zu bekommen.

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Um den Song leiser oder lauter zu stellen, reicht ein Griff in die analoge Welt. Kritiker wurdne erhöht, VW baut wieder einen haptischen Drehregler in den Touareg ein. Die solide wirkende Metallwalze, die auf Druck auch die Audioquelle stummschalten kann, liegt ergonomisch gut platziert in der Mittelkonsole.

An die Hardware wurde beim neuen VW Touareg also auch gedacht. Das gilt nicht nur für das Cockpit, sondern auch für den Rest des Autos.

Um 77 Millimeter streckt er sich gegenüber den Vorgänger weiter in die Länge, ist minimal breiter und flacher. Der Längenzuwachs kommt dem Fußgängerschutz an der Front und dem Gepäckraum zugute. Je nach Stellung der um 16 Zentimeter verschiebbaren Rücksitzbank fasst der künftig bis zu 810 Liter Ladung. Wenn da nicht ausreicht oder doch mal die Pferde mitsollen: Alle Motorversionen des neuen Touareg vertragen eine Anhängelast von bis zu 3,5 Tonnen.

Die Hinterachslenkung sorgt mit gegensinnig einlenkenden Rändern im Stadtverkehr für mehr Wendigkeit, über 50 km/h lenken beide Achsen gleichsinnig ein und erhöhen die Richtungsstabilität. Ein aktiver Wankausgleich des Luftfahrwerks, dass sich je nach Bedarf absenken und in die Höhe pumpen lässt, sorgt für mehr Ruhe in reiseempfindlichen Mägen.

Die Preise des neuen Touareg verrät VW noch nicht. Das bisher angebotene Modell kostete zuletzt mit 204 PS starkem TDI ab 54.700 Euro.
Den Nachfolger wird es erstmals mit einer neuen Angebotsstruktur geben, die sich vom Rest der VW-Modellpalette unterscheidet. Neben der Basisvariante stehen die Ausstattungslinien Elegance und Atmosphere zur Wahl.

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Elegance steht für eine kühle Gefühlswelt, setzt dabei unter anderem auf Metalldekore im Innenraum. Die Atmosphere-Version zeigt ein Umfeld in wärmeren Tönen und Materialien, also Holz im Innenraum.

Darüber rangiert auch beim Touareg das R-Line-Modell mit Sportsitzen, speziellen Stoßfängern und bis zu 21 Zoll großen Leichtmetallfelgen.

Den Fahrbericht des noch getarnten Touareg-Prototyps lest Ihr hier.

Das Video zur Sitzprobe im neuen VW Touareg sehr Ihr unter der Bildergalerie.

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Text: Bernd Conrad
Bilder: Bernd Conrad