Stufenheck mit starkem V6-Benziner: Der Audi A6 3.0 TFSI im Fahrbericht mit Video-Review.
Die meisten Kunden in der oberen Mittelklasse greifen, zumindest hierzulande, zum Kombi. Avant, Touring und T-Modell sind begehrt, die Limousinen haben deutlich geringere Verkaufsanteile. Das macht die Stufenheckmodelle von A6, 5er und E-Klasse zur Wahl für Individualisten, die im Alltag kaum weniger Nutzwert bieten als die Kombis – sofern man nicht täglich raumhohe, sperrige Ladung transportiert.
Einige Monate nach dem neuen A6 Avant reicht Audi jetzt die Limousine nach. Für die ersten Testfahrten haben wir uns ein Modell mit dem mildhybridsierten 3.0 TFSI V6 ausgesucht. Gewiss eine Konfiguration, die man sich als Privatkunde (beispielsweise nach dem Ausstieg aus dem Arbeitsleben mit Firmenkombi) gönnt.
Der Fünfmeter-Audi
Bei den opulenten Abmessungen steht die Limousine dem Avant in nichts nach. Beide sind exakt 4.999 Millimeter lang – immerhin wird, anders als beim Konkurrenten BMW 5er, die Fünfmetermarke nicht gerissen. Die Karosserie des A6 ist zudem 1,88 Meter breit und 1,47 Meter hoch. Trotz der, im Vergleich zum Vorgänger, um sechs Zentimeter längeren Karosserie ist der Radstand gleichgeblieben. Die Achsen stehen 2,93 Meter auseinander.
Das maximal mögliche Raumangebot stand wohl nicht ganz oben im Lastenheft der Entwickler. Trotz seines größeren Formats bringt der Audi A6 auch als Limousine einen kleineren Kofferraum mit als die vorherige Modellgeneration. 492 Liter fasst das Ladeabteil beim Basismodell, dem 2.0 TFSI mit 204 PS. Die Mildhybrid-Varianten, also der 2.0 TDI und der 3.0 TFSI, müssen noch den Akku im PPC-Gerüst (Premium Platform Combustion) verstauen. Das Kofferraumvolumen sinkt damit auf 452 Liter.
Der Audi A6 im Video
Im Fond sind auch große Menschen gut untergebracht, wenngleich man keine luftigen Weiten erwarten sollte. Die Kopffreiheit wird durch das abfallende Dach im Vergleich zum A6 Avant leicht eingeschränkt. Vorne gefallen die Sportsitze des Testwagens mit ausziehbarer Oberschenkelauflage und gutem Seitenhalt.
Das Cockpit besteht, sofern man mit dem entsprechenden Ausstattungspaket auch den Bildschirm für den Beifahrer mit ins Auto konfiguriert hat, auf der Sichtachse (bei Audi „Digital Stage“ genannt) nur aus Displays. Der 14,5 Zoll große Infotainment-Touchscreen ist leicht in Richtung Fahrerplatz geneigt, was die Bedienung erleichtert. Die Mittelkonsole ist großflächig mit hochglänzend-schwarzem Kunststoff verkleidet. Was nur am ersten Tag im Ausstellungsraum des Händlers sauber wirkt, zieht im Alltag zu schnell Staub, Fingerabdrücke und Kratzer an. Und weil wir gerade beim Meckern sind: Das optionalen Head-up-Display bedingt einen hohen Aufbau auf dem Armaturenbrett, genau im Blickfeld des Fahrers. Das wirkt, als ob diese durchaus zeitgeistige Technologie bei der Gestaltung des Innenraums vergessen und dann im Nachgang hineingezimmert wurde.
Ruck ´n´ Roll

Der drei Liter große Benziner leistet 270 kW / 367 PS. Im kleineren A5 treibt der das S-Modell, also den S5, an. Ein künftiger S6 dürfte wohl mit über 400 PS an den Start gehen. Auch der V6 ist ein „MHEV Plus“. Bei den Mildhybriden legt Audi eine elektrische Antriebs-Ausstattung mit ins Auto, die manche Vollhybride von anderen Herstellern neidisch werden lässt. 1,7 Kilowattstunden Strom fasst der LFP-Akku (Lithium-Eisenphosphat), der unterwegs durch Rekuperation und beim Bremsen aufgeladen wird. Er bestromt einen „Triebstranggenerator“ genannten Elektromotor, der 18 kW (24 PS) leistet und, zusätzlich zu den ab 1.700 U/min anliegenden 550 Nm des Verbrenners, weitere 230 Newtonmeter Drehmoment beisteuert.
Bei unseren Testfahrten sind wir nicht überrascht, dass der große TFSI den immerhin knapp über zwei Tonnen schweren A6 vehement voranbringt. Der Sechszylinder-Klang ist bei höheren Drehzahlen präsent, bleibt aber aufgrund der guten Geräuschdämmung dezent im Hintergrund. Wer es entspannt angeht, kann den Benziner unterwegs oft in die Pause schicken, dann rollt die Limousine mit der Kraft des Elektromotors während der Rekuperationsphasen. Ein Riemenstartergenerator kümmert sich um das Zusammenspiel.
Bei niedrigem Tempo wirkt das Trio in Verbindung mit dem Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe aber oft unausgegoren. Ob jetzt der Triebstranggenerator für Kraft sorgt oder die S-Tronic das richtige Zahnradpaar einlegt, ist scheinbar oft nicht abgesprochen. Es ruckelt spürbar im Antrieb, was wenig premiös wirkt. Ein störender Wiederspruch zum erwähnten Rollenlassen.
In 4,7 Sekunden beschleunigt der A6 als 3.0 TFSI aus dem Stand auf 100 km/h und erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 250 km/h. Beides haben wir im Rahmen unserer Testfahrten nicht ausprobiert. Trotzdem hat sich der starke Benziner nicht zurückgehalten. Knapp über elf Liter je 100 Kilometer meldet die Anzeige des Bordcomputers. Dieser Wert liegt deutlich über der WLTP-Normangabe von 6,7 bis 7,8 l/100 km. Bei früheren Probefahrten in Portugal haben wie den A6 Avant als V6 mit 9,7 l/100 km bewegt. Im Alltag könnte man Werte im einstelligen Bereich also durchaus realisieren. Klar ist aber auch: Wer sich – Elektrifizierung hin oder her – für einen potenten Benziner im großen Auto entscheidet, der sollte sich über einen soliden Durst nicht wundern.
Das kostet der V6

Außerdem hilft ein gut gefülltes Portemonnaie. Die Audi A6 Limousine mit 367 PS kostet ab 70.000 Euro. Das Stufenheck-Modell liegt 2.500 Euro unter dem Avant. Viele Optionen sind in „Tech“-Paketen zusammengefasst. Unser Testwagen hat das dickste von, „Tech Pro“ genannt an Bord – u.a. mit Matrix-LED-Scheinwerfern, OLED-Rückleuchten mit schaltbarer Grafik (siehe Video) und umfangreicher Fahrassistenz. Außerdem ist alles an Bord, was Konfigurator und Preisliste so hergeben. S-Line für außen und innen, das starre Panorama-Glasdach ohne Öffnungsfunktion, ein adaptives Luftfahrwerk, Allradlenkung, 21-Zoll-Felgen und viele weitere Extras zählt das Datenblatt. Darunter auch Kleinlichkeiten wie die induktive Smartphone-Ladefunktion für 300 Euro oder die getönten Scheiben im Fond für 450 Euro. Der Testwagen-Preis summiert sich auf stolze 102.940 Euro. Viel Geld für ein Auto, das komfortabel fährt und rollt – aber eben auch mal ruckelt.
Fazit

Nicht zum ersten Mal wird geschrieben: Die Limousine muss sich optisch hinter dem Kombi nicht verstecken. Im Gegenteil: Der Schwung vor der Abrisskante im Heckdeckel wirkt frisch und passt gut zum großen Audi A6. Trotzdem dürften weiterhin die meisten Kunden zum Avant greifen.
Der elektrifizierte V6-Benziner ist ein kraftvoller und durchzugsstarker Antrieb, trotz des 48-Volt-Mildhybridsystems aber nicht sparsam. Bei langsamer Fahrt fällt zudem ein Ruckeln im Getriebe-Motor-Zusammenspiel negativ auf. Wer also keinen Vierzylinder-TDI oder den 2.0 TFSI und auch keinen der beiden Plug-in Hybride haben will, der hat erst bald eine Wahl. Als Alternative zum 3.0 TFSI soll der Audi A6 auch wieder als Sechszylinder-Diesel kommen.
Technische Daten
Audi A6 3.0 TFSI
- Antriebsart
- Mildhybrid-Benziner
- Antrieb
- Allradantrieb
- Abgasnorm
- Euro 6e-bis
- Hubraum
- 2.995 ccm
- Anzahl und Bauform Zylinder
- V6
- Maximale Leistung kW / PS
- 270 kW / 367 PS bei 5.500 - 6.300 U/min
- Max. Drehmoment
- 550 Nm bei 1.700 - 4.000 U/min
- Getriebe
- 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe
- Elektromotor: Maximale Leistung kW
- 18 kW (24 PS)
- Elektromotor: Maximales Drehmoment
- 230 Nm
- Tankinhalt
- 56 Liter
- Beschleunigung 0-100 km/h
- 4,7 Sekunden
- Höchstgeschwindigkeit
- 250 km/h
- Norm-Verbrauch auf 100km
- 6,7 - 7,8 Liter
- Verbrauch real auf 100km
- 11,7 Liter (lt. Bordcomputer)
- Kofferraumvolumen
- 452 Liter
- Leergewicht
- 2.055 kg
- Anhängelast (gebremst)
- 2.100 kg
- Stützlast
- 95 kg
- Dachlast
- 100 kg
- Basispreis Baureihe
- 55.500 Euro
- Basispreis Modellvariante
- 70.000 Euro
- Testwagenpreis
- 102.940 Euro