BMW XM Das M-SUV im ersten Check

Der BMW XM kommt ohne Vorbild im regulären BMW-Programm. Hier gibt es die erste Sitzprobe im Hybrid-SUV, auch als Video-Review.



Ende der 1970er Jahre war es ein Sportwagen (und was für einer), in den 90ern wäre wohl ein Cabrio die beste Wahl gewesen, um die Straße zum Laufsteg zu Verwandeln. Und heute? Da sollte es bitte sehr ein SUV sein. Je größer, umso besser. Nicht unbedingt bei uns, aber für den Erfolg in globalen Märkten, allen voran die USA und Asien.

Der BMW XM im Video

Diese Zeitreise ist bei BMW M, der Sportmarke des Münchner Autobauers, gut zu erkennen. 1978 kam mit dem M1 das erste eigene M-Auto (also kein Derivat eines BMW-Modells wie M2, M3 und Co.). 2022 dürfen sich die Entwickler und Ingenieure wieder einen speziellen M leisten. Nur dieses Mal eben als SUV. Vorhang auf für den XM.

Die Modellbezeichnung stellt die Verbindung zwischen Marke und X-Baureihen von BMW dar. Mit diesem Buchstaben werden sie SUV betitelt. Autokenner und Nostalgiker erinnern sich gewiss spontan an den Citroën XM, der 1989 Premiere feierte. Alles kein Problem, die beiden Hersteller haben sich geeinigt. BMW dar das Kürzel XM verwenden, im Gegenzug sieht man die Modellbezeichnung C5 X nicht zu nah am X5.

Hybrid mit 653 PS

Der BMW XM ist nicht nur ein SUV, sondern fährt auch elektrifiziert vor. Einen vollelektrischen M gibt es, gewiss auch mit Blick auf die Hauptabsatzmärkte, noch nicht. Der Plug-in Hybrid kombiniert einen doppelt aufgeladenen, in vielen Punkten überarbeiteten, V8-Benziner mit 489 PS und einen maximal 145 kW / 197 PS starken Elektromotor. Der sitzt im Gehäuse der Achtstufen-Automatik, die ein maximales Drehmoment von 800 Newtonmeter verwaltet. Die Systemleistung liegt bei 480 kW / 653 PS.

Trotz seines üppigen Leergewichts von 2.785 Kilogramm spurtet der BMW XM mit der Kraft der zwei Herzen laut Werksangaben in 4,3 Sekunden aus dem Stand auf 100 km/h. Auch hier sorgt der permanente Allradantrieb für Traktionsvorteile. Bei 250 km/h wird der Vorwärtsdrang elektronisch eingefangen.

Bis zu 88 km elektrische Reichweite

BMW XM Fotos Video Leistung Hybrid

25,7 kWh fasst der Lithium-Ionen-Akku im Fahrzeugboden, eingebettet in die CLAR (Cluster Architecture) der Marke. Trotz ähnlicher Abmessungen basiert der XM also nicht auf dem BMW X7, sondern ist in der Tat ein eigenständiges Modell.

Die nach WLTP-Norm ermittelte Elektro-Reichweite gibt BMW mit 82 bis 88 Kilometern an. Spätestens dann springt der Verbrenner an und bedient sich aus einem 69 Liter großen Tank, oder man steckt den XM ans Kabel. Die Ladeleistung liegt bei 7,4 kW. Schnellladen ist nicht möglich.

Erstes Date mit dem XM

BMW XM Fotos Video Leistung Hybrid

Zum ersten Kennenlernen stand der BMW XM in einem Foto- und Filmstudio bereit. Der erste Eindruck: Das Auto wirkt kompakter, als es die reinen Zahlen vermuten lassen. Das M-SUV ist 5,11 Meter lang (nur sieben Zentimeter kürzer als der wuchtige X7), 2,01 Meter breit und 1,76 Meter hoch (acht Zentimeter flacher als der X7). Der Radstand von 3,11 Metern fällt vor allem mit den optionalen 23-Zoll-Rädern kaum auf. In der Studioumgebung kann der XM jedoch nicht in Relation zu anderen Fahrzeugen gesetzt werden, was die wahre Größe in Relation zu anderen Verkehrsteilnehmern erst offenbart.
An der beleuchteten Niere, der Akzentleiste an Flanke und Fensterrahmen sowie dem Diffusor am Heck trägt der BMW XM einen Goldton, der an das Kuper von Cupra erinnert. Optional kann man diese Details auch in Schwarz ordern.

Erinnerungen an den M1

BMW XM Fotos Video Leistung Hybrid

Die Akzentleiste ist eines von mehreren Details, die an den legendären BMW M1 erinnern. Dazu gehören auch die beiden BMW-Logos, die in den oberen Ecken der Heckscheibe eingraviert werden. Ein Markenlogo auf dem Heckdeckel entfällt, was eigenständig und frisch wirkt. In den LED-Rückleuchten sollen zudem vertikale Linien die Idee der Lamellen am M1-Heck aufgreifen. Darauf kommt man aber erst, wenn man es gesagt bekommt (oder hier bei AUTONOTIZEN liest).

Auch nach dem Öffnen der Heckklappe blickt man auf neue Ideen, die den BMW XM von anderen Autos der Marke unterscheiden. Eine wirkliche Ladekante fehlt. Edelstahl-Elemente, die beim Einladen schwerer Lasten helfen sollen, sind direkt in den Teppich eingelassen. Einen doppelten Ladeboden mit Staudach darunter gibt es nicht. Das Kofferraumvolumen liegt bei 527 Litern. Werden die Lehnenteile der Rücksitzbank umgeklappt (nicht federvorgespannt), wächst das Ladeabteil auf bis zu 1.820 Liter.

Die Innenverkleidung der Heckklappe nimmt das 3D-Muster des Dachhimmels auf, der zudem indirekt beleuchtet ist. Ein Glasdach gibt es nicht. Unter der Struktur lümmelt man im Fond bequem herum, genießt viel Raum für Beine und Kopf. Im Rolls-Royce-Stil ist die Rücksitzlehne nach außen abgerundet, läuft in der Seitenverkleidung aus. Das sorgt für Sofa-Atmosphäre.

Sportsitze mit beleuchtetem XM-Logo betten Fahrer und Beifahrer. Sie bieten (zumindest im Stand) einen guten Seitenhalt, bieten aber dennoch hohen Komfort. Das Cockpit trägt die aktuelle Markenmode mit zwei großen Displays hinter einer gemeinsamen, gebogenen Abdeckung. Die Menüführung erfolgt entweder über den reaktionsschnellen Touchscreen, per Spracheingabe oder über den noch immer unübertroffenen Dreh-Drück-Steller des iDrive-Systems.
Für das M-eigene Modell wurden die Grafiken im digitalen Kombiinstrument und auf dem Infotainment-System neu arrangiert. Mit diagonalen Linien erinnern die Menükacheln entfernt an Cupra, das haben sie mit dem Goldton der Exterieur-Details (siehe oben) gemein.

Das kostet der BMW XM

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Potenzielle XM-Kunden schauen gewiss weniger aufs Geld und bestellen ihr Auto meist in Vollausstattung. Das hilft dem Hersteller dabei, die Produktion im US-amerikanischen Spartanburg effizient zu gestalten. Die Folge: Es gibt keine daumendicken Preislisten mehr. Der XM kommt mit ziemlich kompletter Ausstattung. Einzig ein Bowers & Wilkins – Soundsystem und größere Felgen als Alternative zu den serienmäßigen 21-Zöllern sind wählbar. Dazu kommen verschiedene Farben innen und außen, die schwarzen statt goldenen Details und optionale Lederbezüge.
170.000 Euro kostet der BMW XM ohne Extrawünsche, das auf den Fotos und im Video gezeigte Exemplar rund 182.000 Euro.

Da geht noch mehr

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Dabei bleibt es aber nicht. Schon angekündigt hat BMW den XM Label Red. Er wird sich optisch je nach Konfiguration kaum vom „normalen“ XM unterscheiden, wohl aber in der Leistung. Der Hybridantrieb hat hier eine Systemleistung von 550 kW / 750 PS, das Drehmoment wird mit 1.000 Netwonmetern vierstellig. Im zweiten Halbjahr kommt der XM Label Red, das Basismodell (was für ein Wort) wird ab Dezember 2022 produziert.

Fazit

BMW XM Fotos Video Leistung Hybrid

Zugegeben, nach den ersten Fotos zur Ankündigung des BMW XM war ich skeptisch, auch wegen dem Design. Nach dem ersten Kontakt mit dem Auto hat sich das gelegt. Der XM weiß, mit vielen frischen Ideen und besonderen Details zu gefallen. Das hervorragende Platzangebot im Innenraum und die bequeme Rücksitzbank sorgen für Alltagsnutzen.

Ob ein elektrifiziertes Bodybuilding-SUV die traditionellen M-Werte verkörpert, darf natürlich in Frage gestellt werden. Kunden von heute kennen aber, vor allem in ausländischen Märkten, den M1 gar nicht mehr und haben damit schon eine Antwort gefunden.

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Text: Bernd Conrad
Bilder: Fabian Kirchbauer (6), Bernd Conrad (7)
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