BYD auf der Auto China 2026

BYD auf der Auto China 2026 Klotzen statt kleckern

8:44 Min.

Rausch statt Premierenfieber? BYD nutzt die Messe Auto China für eine Vielzahl von Premieren.

In der chinesischen Hauptstadt Peking wird in diesen Tagen turnusgemäß der automobile Gottesdienst gefeiert. Die „Auto China“ füllt ein abermals erweitertes Messegelände mit unzähligen Riesen-Hallen. Die deutschen Hersteller zeigen ihre Neuheiten auf eher zurückhaltende Art und Weise, die Schlacht der übergroßen LED-Leinwände und die Premierenflut in Form kleiner Tsunamis überlassen sie den einheimischen Marken. Platzhirsch BYD, der mit dem Haupt-Label sowie den Konzernmarken Denza, Fangchengbao und Yangwang fast eine ganze Ausstellungshalle füllt, feiert sich eine schier unüberblickbare Zahl neuer Modelle im Scheinwerferlicht. Einige davon sind auch für Europa geplant.

BYD Yuan Plus / Atto 3

Der oft zitierte „China Speed“ wird am Beispiel des BYD Yuan Plus deutlich, der bei uns als Atto 3 bekannt ist. Gerade eben rollt er mit einem technischen Update und leichtem Facelift in die Schauräume der deutschen Händler, auf der Messe steht der Nachfolger auf der Bühne.

Optisch wird das Elektro-SUV nur sanft weiterentwickelt. Die Länge der Karosserie wächst auf 4,67 Meter, der Kofferraum im Heck auf 750 Liter Volumen. Zusätzlich gibt es ein 180 Liter großes Staufach (Frunk) unter der vorderen Haube. Im Basismodell mit 57,6 kWh großer Blade-Batterie werden die Hinterräder von einem 200 kW (272 PS) starken Elektromotor angetrieben. In Verbindung mit dem größeren Akku, der eine Speicherkapazität von 68,6 kWh serviert, stehen bis zu 240 kW (327 PS) an der Hinterachse bereit. Die Reichweite liegt, gemessen nach der chinesischen CLTC-Norm, bei 540 bzw. 630 Kilometern. Wie alle neuen Modelle des Konzerns soll auch der Atto 3 Flash Charging bieten. Damit ist nicht gemeint, dass er die bis zu 1.500 kW Ladeleistung stemmen kann, die der Denza Z9 GT schaffen soll. Der Fokus der Entwickler liegt darauf, den Füllstand des Akkus von fünf Minuten von zehn auf 70 Prozent bzw. in neun Minuten von zehn auf 97 Prozent laden zu können. Welche Ladeleistung im Fall des neuen Yuan Plus bzw. Atto 3 tatsächlich nominell erreicht werden kann, ist (noch) nicht bekannt. Das Fahrassistenz-Angebot mit dem Namen „God´s Eye B“ nutzt auch Informationen eines Lidar-Systems.

BYD Seal 08

Der BYD Seal 08 ist eine Limousine der oberen Mittelklasse.

Während der Yuan Plus auf dem Heimatmarkt Teil der „Dynasty“-Modellreihe ist, gibt es auch mehrere Baureihen der Ocean-Line. Zu ihr zählen auch der bei uns nur als Kombi mit dem Beinamen Touring angebotene Seal 6, den es in China und auch in europäischen Märkten außerhalb Deutschlands auch als viertürige Stufenheck-Limousine gibt. Darüber wird der neue BYD Seal 08 positioniert, der im Format also dem Han (den es bis zum Facelift auch mal bei uns gab) entspricht. Man merke: Es ist und bleibt verschachtelt im riesigen Modellprogramm der Chinesen.

BYD Sealion 08

Der BYD Sealion 08 wird perspektivisch auch seinen Weg zu uns finden.

Aber jetzt aufpassen: Parallel zum Seal 08 feiert auch der Sealion 08 in Peking seine Weltpremiere. Das SUV ist 5,16 Meter lang, zwei Meter breit und 1,80 Meter hoch. Das Design mit dezenten Rundungen an der Front und am Heck sowie den steilen Dachsäulen folgt dem Zeitgeist, so oder so ähnlich sehen gerade viele SUV in China, beispielweise von Aito oder Li Auto aus. Im Gegensatz zum Seal 08 dürfte der Sealion 08 in absehbarer Zeit auch nach Europa kommen und hier dann den BYD Tang als SUV-Flaggschiff der Marke ablösen. Passend zum Anspruch sind Liegesitze und eine Zweikammer-Luftfederung an Bord, „Flash Charging“ gilt als gesetzt.

BYD Ocean V

Van-Studie: Der BYD Ocean V wirkt weniger revolutionär als es die Ankündigung versprach.

Als „Familien-Mobilitätswürfel“ will BYD die Studie Ocean V verstanden wissen, spricht im Rahmen der Premiere von „einer radikalen Vison der Zukunft der Mobilität“. Gemeint ist eine Design-Übung für einen Van, der trotz Würfel-Anspruch eine schräge Frontscheibe hat. Auf Knopfdruck kann man den Innenraum in ein Kino mit großem Display oder in einen Camper verwandeln. Drei Personen sollen im Auto übernachten können. Konkrete Serienabsichten werden nicht kommuniziert.

Denza Z

Designchef Wolfang Egger präsentiert auf der Messe den Elektro-Sportwagen Denza Z.

Die Premiummarke von BYD, einst im Joint-Venture mit Daimler bzw. Mercedes-Benz gegründet, rollt gerade in Europa mit dem Shooting-Brake Z9 GT und dem Van D9 an den Start. Im Rahmen des Goodwood Festival of Speed wird der erste Sportwagen der Marke seine dynamische Premiere feiern, vorher steht der Denza Z im Peking auf dem Messestand.

Zu sehen ist ein 2+2-sitziges Cabriolet, dessen Proportionen an das Maserati GranCabrio erinnern. Das Team um Designchef Wolfang Egger hat auch ein Blechdach-Modell gestaltet, das aber erst später gezeigt wird. Der Elektroantrieb im Denza Z soll eine Leistung von über 1.000 PS bereitstellen, der Spurt von null auf 100 km/h ist in unter zwei Sekunden erledigt. Wann und in welcher Auflage der Denza Z zu uns kommen wird, ist noch ebenso wenig bekannt wie weitere technische Daten. BYD hat aber eine große Vision: Die Einführung des Modells „markiert einen Wendepunkt für die globale Autoindustrie“, lässt man verlautbaren.

Fangchengbao Formula X

Auch die BYD-Marke Fangchengbao will im Segment der Sportler punkten.

Trotz dieses Superlativs soll es Platz für ein zweites Sportwagen-Modell geben. Der Formula X kommt von der Marke Fangchengbao. Diesen Namen muss man sich bei uns nicht merken, in Europa sind vereinzelte Modelle als Denza geplant. Das Plug-in Hybrid SUV Fangchengbao Bao 5 rollt bei uns ab 2027 als Denza B5 auf die Straße.

Der, wie der Denza X ebenfalls nach oben offene, Fangchengbao ist ein Zweisitzer mit nach oben schwingenden Scherentüren. Das Karosseriekonzept erinnert an den, deutlich anders positionierten, MG Cyberster.

Fangchengbao Formula S

Der Fangchengbao Formula S kommt als Limousine und Shooting Brake.

Ein Trio von Elektro-Modellen der oberen Mittelklasse wird der Konzern als Fangchengbao Formula S in China an den Start bringen. Das Grundmodell ist eine Fastback-Limousine im rundlichen Design, das auf den ersten Blick auch als umfangreiches Facelift des GWM Ora 07 durchgehen können. Außerdem wird es eine Langversion namens Formula SL und einen Shooting Brake mit den Zusatzbuchstaben GT geben.

Technische Daten und Angaben zu Akku-Speicherkapazität oder Reichweite bleiben auch bei dieser Messe-Premiere noch unter Verschluss. Genaue Informationen zum Markstart der neuen Modelle in China waren am Messestand in Peking nicht zu bekommen.

Yangwang U8L

Luxus-SUV als Viersitzer: Der Fond im Yangwang U8L.

Zwei Premiummarken also im BYD-Universum. Das reicht noch nicht? Als Hightech- und Luxuslabel gibt es außerdem Autos mit dem Logo von Yangwang. Das in China rund 140.000 Euro teure SUV U8, ein serieller Plug-in Hybrid mit 1.197 PS Systemleistung, konnten wir erst kürzlich auf seine Schwimm-Fähigkeiten testen . Als U8L zeigt er sich im Rahmen der Auto China als Luxusversion mit zwei vielfach verstellbaren Einzelsitzen im Fond.

Im Gegensatz zu Fengchaobao soll die Marke Yangwang übrigens auch in Europa Individualisten mit dickem Bankkonto ansprechen. Wohl für 2027 plant man den Export-Start mit dem U8 und dem Supersportwagen U9.

Yangwang U9 The Dawn

Als schnellstes Auto der Welt ist der Yangwang U9 Extreme / U9X bekannt. Auf der Strecke in Papenburg (Deutschland) hat der Elektro-Sportler ein Tempo von 496,22 km/h erreicht. Es darf als gesichert gelten, dass das Ziel der 500 km/h von den Chinesen noch nicht aufgegeben wurde.

Die Extreme-Version des auch „regulär“ mit 960 kW (1.306 PS) nicht eben ärmlichen Sportwagens wird in sehr geringer Auflage gebaut: Nur 30 Einheiten soll es geben, jedes mit einer Leistung von nicht weniger als 2.200 kW (2.992 PS). Jeder Extreme-Kunde wird sein Exemplar individualisieren können. Zum Start der Fertigung zeigt sich der U9 Extreme in Peking als „The Dawn Edition“. Goldpulver unter der Klarlackschicht und mattgoldene Bereiche an der Karosserie sollen an die Sonnenstrahlen erinnern, die sich während der Rekordfahrt durch die Wolkendecke reckten.

Fazit

Das Modellprogramm von BYD mit verschiedenen Modellfamilien und den drei höher positionierten Marken wird unüberschaubar. Dazu kommen der Pick-up BYD Shark , leichte Nutzfahrzeuge und Lkw. Elektrisch angetriebene Busse von BYD sind auch schon in europäischen Liniennetzen unterwegs.

Knapp über 4,6 Millionen Autos hat der Konzern im Jahr 2025 produziert und will weiterwachsen, auch mit Werken außerhalb Chinas. Der Absatzrückgang der letzten Monate, auch bedingt durch eine Kaufzurückhaltung auf dem Heimatmarkt, soll schnell vergessen sein. Auf der Messe Auto China feiern nicht weniger als neun Modelle von BYD, Denza, Fengchaobao und Yangwang ihre Premiere.

Für Europa relevant ist dabei aktuell nur der Yuan Plus, der auch bei uns den Atto 3 ablösen wird – obwohl der gerade erst umfassend überarbeitet wurde. Der Sportwagen Denza Z mit 1.000 PS Elektro-Leistung soll als Technologie- und Imageträger helfen, die einst mit Mercedes aus der Taufe gehobene und jetzt selbstkontrollierte Premiummarke auch außerhalb Chinas zu etablieren.

Im Video: Pick-up BYD Shark

Text: Bernd Conrad
Bilder: Hersteller