VinFast-Premiere Acht Gänge beim Vietnamesen

Autos aus Vietnam mit BMW-Technik. Sitzprobe bei VinFast.



Viele etablierte Autohersteller blieben dem Pariser Salon im Jahr 2018 entweder ganz fern (Volvo, FCA mit Abarth, Alfa Romeo, Fiat und Abarth), hielten einzelne Marken außen vor (Nissan, VW) oder ließen sich durch ihre französischen Importgesellschaften vertreten (Audi, Seat). Dafür gab es den ein oder anderen Neuzugang.

Schon im Vorfeld galt großes Interesse der Ankündigung von VinFast. Nicht nur, weil sich hinter diesem Namen der erste Autohersteller aus Vietnam verbirgt, der dem größten Privatunternehmen des Landes namens VinGroup gehört und innerhalb von zwei Jahren nach der ersten Ankündigung neben einem neuen Werk auch gleich zwei Autos aus dem Boden gestampft hat. Sondern auch, weil die Vietnamesen zahlreiche renommierte Partner um sich scharen konnten.

Magna entwickelt die ersten Modelle der neuen Marke zur Serienreife. Pininfarina in Italien wurde mit dem Design beauftragt. Interessanter ist aber die technische Basis. Die beiden neuen VinFast-Modelle bauen auf BMW-Technik auf.

Die jüngst abgelösten BMW 5er und X5 diesen als Genspender für den VinFast Lux A2.0 und das SUV Lux SA2.0. Die kryptischen Bezeichnungen wirken für unsere Augen sperrig, sind in Asien aber nichts Ungewöhnliches.

VinFast Paris Lux SA2.0 Lux A2.0 Fotos BMW Technik

Dort will VinFast auch zuerst an den Start gehen. Noch 2018 will man elektrische Scooter produzieren, bevor man 2019 mit der Autoproduktion beginnt. 250.000 Fahrzeuge sollen im ersten Ausbauschritt Medienberichten zufolge im Jahr gebaut werden. Das ist wesentlich mehr, als sich allein in Vietnam absetzen lassen, zumal die beiden Fahrzeuge dort nur die obere Gesellschaftsschicht ansprechen werden.

Das Motto von VinFast ist es nämlich, „der führende Autohersteller in Südostasien“ zu werden. Bald dürften also Händlernetze auch in Thailand, Indonesien und Malaysia entstehen.

Unter der Motorhaube steckt der BMW N20-Motor, ein Vierzylinder mit Turboaufladung. In der Limousine VinFast Lux A2.0 soll es ihn mit 130 kW / 177 PS und 170 kW / 231 PS geben. Die stärkere Version wird auch das SUV Lux SA2.0 antreiben. Den Hinterradantrieb serviert die BMW-Plattform, das SUV wird es auch mit Allradantrieb geben.

Die erste Sitzprobe auf dem Pariser Salon zeigt, wie sehr die BMW-Basis durchscheint. Das dürfte den Kunden in Asien sicherlich gut gefallen und ist ein guter Weg. Die lokale Marke bedient sich westlicher Technik – diese Richtung dürfte erfolgsversprechender sein als das, was Borgward gerade versucht, nämlich chinesische Autos mit einem alten deutschen Namen aufzurüschen.

Nicht nur die Proportionen der beiden Autos entsprechen ihren BMW-Vorbildern, auch das Platzangebot im Innenraum und die Sitze kennt man nur zu gut.

VinFast Paris Lux SA2.0 Lux A2.0 Fotos BMW Technik

Interessantes Detail: Die Bedienelemente in der Mittelkonsole sind bei den Ausstellungsfahrzeugen nur Fake. Unter der nicht fixierten Mittelarmlehne zeigen die Original-BMW-Teile für das ZF-Achtgang-Automatikgetriebe, die Feststellbremse und den Motorstart, was unter den Fassaden steckt.

Löblich: Trotz des Prototypenstadiums, der auch an teils nicht fertigen Oberflächen und losen Zierelementen zu erkennen ist, lässt man die Journalisten in die Autos hinein. Asiatische Gastfreundschaft. Außerdem ist das der Beleg, dass die Autos auch fahrbereit sind, in der Limousine stecke sogar der Schlüssel.

300 Prototypen sollen aktuell in Asien und Europa unterwegs sein, um die letzten Abstimmungsfahrten zu unternehmen. Es scheint unmöglich, dass sich die Bestrebungen von VinFast nur auf den südostasiatischen Raum beschränken werden.

Auch in Südkorea fingen bestimmte Leute einmal an, Autos zu bauen. Mit Technik aus dem Ausland, wie Hyundai in Mitsubishi-Lizenz. Heute ist der Konzern einer der größten Autobauer der Welt. Auch VinFast will schnell wachsen. Elektroautos stehen für den zweiten Schritt ebenso auf dem Plan wie Nutzfahrzeuge, darunter auch elektrische Busse.

Es lohnt sich, ein Auge auf die Vietnamesen gerichtet zu haben. Wetten? Der Stand in Paris war zumindest von Journalisten stark umlagert. Auch, als Werbefigur David Beckham nach dem kurzen Premierenauftritt wieder weg war.

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Text: Bernd Conrad
Bilder: Bernd Conrad (21), Hersteller (1)