VW Golf Facelift Im Stau einen fahren lassen

VW überarbeitet den Golf. Der fährt im Stau automatisiert.

Wenn autointeressierte Kinder (ja, die gibt es noch) nach dem Sinn eines Facelifts fragen, wundern sie sich oft: „Hat der Fabrik das Auto nicht mehr gefallen?“ Ist eine solche Frage.

VW Golf Facelift

Ob man im Nachhinein immer schlauer ist oder ob sich Geschmäcker ändern, fragt man sich bei mancher Modellüberarbeitung zwangsläufig. Herausfordernde Beispiele gibt es immer wieder, denken wir an den jüngst vorgestellten Skoda Octavia für 2017 oder rückblickend auf den VW Golf der zweiten Generation, der 1989 in einigen Modellversionen diese neumodischen Kunststoffstoßfänger angeschraubt bekam.

Liebe Erwachsene, Sie wissen: Sinn und Zweck der Modellüberarbeitung ist es vor allem auch, wieder neue Bedürfnisse zu wecken, das Automodell wieder ins Gespräch und die Kunden ins Autohaus (oder auf die Verkaufswebsite) zu bringen. Und dafür braucht es dieser Tage nicht unbedingt neue Front- und Heckschürzen oder Felgen. Was der Kunde will, spielt sich heute unter dem Plastik ab – und zwar dem im Cockpit.

VW Golf Facelift

Connectivity, Infotainment und Assistenzsysteme sind die Schlagworte, und damit kommen wir zur Überarbeitung des (immer noch) populärsten Autos in Deutschland, dem VW Golf. Der zeigt sich heute frischgemacht für die zweite Lebenshälfte.

Innen gibt es, zumindest bei Wahl des großen Navigationssystems, das 9,2 Zoll große Display in Glasoptik mit einer dahinter verstecken Tastenleiste und ohne Drehregler, wie es sich im erwähnten Skoda Octavia schon zeigen durfte. Im Golf kommt noch eine Gestensteuerung für ausgewählte Befehle hinzu, darunter das Blättern in der Musikplaylist oder die Auswahl eines Radiosenders.

VW Golf Facelift

Weiter links sitzt das aus Passat und Tiguan bekannte Active Info Display, die volldigitale Anzeige und Tachometer und Drehzahlmesser. Ebenfalls aus den größeren Brüdern stammt der Anhängerassistent, der beim Rangieren des Gespannes die Führung übernimmt. Wer dann langsam aber sich das Rangieren komplett verlernt, wird sich über den weiter verfeinerten Parkassistenten freuen, der jetzt auch vorwärts halbautomatisch in Parklücken zirkeln kann.

Neu ist der Stauassistent. Durch das Zusammenspiel der Spurhaltefunktion und der automatischen Abstandsregelung (ACC) kann der Golf bis 60 km/h automatisiert durch den Pendlerverkehr dirigieren.

Mit dem GTI wird man noch ein bisschen schneller an der Lücke sein. Er erstarkt grundsätzlich auf 230 PS, die Leistung der vormaligen Performance-Version. Die bekommt eine weitere Leistungsspritze und bietet zukünftig 245 PS. Bodenständiger gibt sich der neu entwickelte 1,5 Liter-Turbobenziner, der den bisherigen 1,4 Liter TSI ablöst. Die maximale Leistung steigt 150 PS, später folgt noch eine Version mit 130 PS. Auch dieser Motor kann bei Bedarf zwei Zylinder abschalten, mit der Segelfunktion im Schubbetrieb wird gar der ganze Motor kurzzeitig in den Ruhemodus versetzt. Damit möchte man im realen Betrieb bis zu einem Liter Kraftstoff auf 100 km im Vergleich zum bisherigen 1.4 TSI einsparen.

VW Golf Facelift

Liebe Kinder, natürlich ändert sich auch außen etwas am Golf, obwohl er bestimmt vielen noch gut gefallen hat: Statt Xenon- kommen an der Front nun optionale LED-Scheinwerfer zum Einsatz. Am Heck erstrahlen die Rückleuchten künftig auch per Leuchtdioden, die Blinker wischen fröhlich nach außen wie bei Audi.

Bekommen denn auch Kunden, die einen anderen als die genannten Motoren mit Handschaltung (erwähnenswert, weil es ein neues 7-Gang-DSG für die TDI ab 150 PS gibt) und ohne das ganze Infotainment- und Assistenzgedöns bestellen, auch etwas Neues?

VW Golf Facelift

Jetzt kommen die kosmetischen Änderungen ins Spiel. Die Stoßfänger vorne und hinten wurden neu gestaltet, die Leuchten vorne und hinten geben eine geänderte Lichtsignatur. Typisch Golf trägt das Update also optisch nicht zu dick auf. Im Gegensatz zu den Plastikschürzen, damals, 1989.

Ab Dezember soll der überarbeitete Golf zu bestellen sein, dann gibt es auch die neuen Preislisten.

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Text: Bernd Conrad
Bilder: Hersteller