VW Phaeton Ab auf die Opferbank?

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VW Phaeton

Bei Volkswagen fand dieses Jahr ein gehöriges Stühlerücken statt. Urgestein Ferdinand Piech hat nach einem öffentlich ausgetragenen Streit mit Konzernvorstand Martin Winterkorn seinen Posten als Aufsichtsratsvorsitzender niedergelegt und samt Ehefrau Ursula das Unternehmen verlassen.

Im Juli hat Ex-BMW Mann Herbert Diess als Markenvorstand Volkswagen seinen Schreibtisch in Wolfsburg eingerichtet und Martin Winterkorn kann sich nun voll und ganz auf seine Aufgabe als Konzern-CEO konzentrieren. Herbert Diess war schon zu BMW-Zeiten als knallharter Kostenkiller bekannt und setzt scheinbar erste Signale beim neuen Arbeitgeber.

Das Piech-eigene Lieblingsprojekt Phaeton wackelt ein wenig. Die 2002 eingeführte Oberklasse-Limousine, die ja bekanntermaßen nie wirklich erfolgreich war (in 2014 wurden nur noch ca. 4.000 Stück produziert, vornehmlich für den asiatischen Markt), sollte eigentlich in naher Zukunft einen Nachfolger erhalten.

Auf Basis von Informationen aus dem Volkswagen-Konzern berichtet das Branchenblatt Automotive News Europe nun von einer nicht näher spezifizierten Verzögerung. Anonyme Quellen beim Hersteller berichten wohl, dass die Limousine serienreif ist, aber dennoch nun nochmal Hand angelegt werden soll.

Das Controlling bei Volkswagen wird das freuen. Intern gilt die Zielsetzung, das die Marke VW deutlich profitabler werden muss; die operative Marge soll von 2,7% in 2014 auf 6% in 2018 ansteigen. Je länger der Phaeton – wenn auch nur in homöopathischen Dosen – auf längst voll abgeschriebenen Produktionsanlagen in Dresden montiert werden kann (zumal sich die wenigen Maschinen bei der geringen Stückzahlen nicht so schnell abnutzen sollten), desto besser für diese Kennziffer.

Und wer weiß, vielleicht gibt es auch einen kompletten Strategiewechsel in der Oberklasse und der Phaeton macht doch einem oftmals skizzierten Crossover-Konzept Platz. Dazu passt auch die Aussage von Tim Urquhart, Analyst und Marktforscher bei IHS Automotive, in Automotive News Europe: „Der Phaeton war und ist die Antwort auf eine Frage, die nie jemand gestellt hat. Wer will eine VW (Oberklasse) Limousine?“

Aktuell ist der Phaeton nur noch mit einem einzigen Motor lieferbar: Der 4.2 V8 Benziner kostet 89.650 Euro. Der V6 Diesel spielt in China keine Rolle, für Europa hätte er dieses Jahr auf Euro 6 angepasst werden müssen. Das lohnt sich nicht bei diesen Verkaufszahlen. In Anfangszeiten hatte der Phaeton technische Spezialitäten wie den 5.0 V10 TDI und den sechs Liter großen W-Zwölftzylinder zu bieten.

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Text: Bernd Conrad
Bilder: Hersteller