Hyundai i10 N Line vs Kia Picanto GT-Line Herz und Verstand

Kleine Koreaner mit Sportsgeist: Hyundai i10 N Line und Kia Picanto GT-Line im Vergleich mit Video-Review.

Schwester Regina vom mobilen Pflegedienst oder Carlos, der die Bestellung vom Italiener bringt – wer an Kleinstwagen denkt, hat oft diese beiden Stereotypen im Kopf. Dabei sind die kompakten Autos viel mehr als Dienstwagen oder Fahranfängermobil.

Schön, dass es euch gibt

Hyundai i10 N Line Kia Picanto GT-Line T-GDI Vergleich Test Fotos Preis

Sie erfüllen den wachsenden Komfort- und Sicherheitsanspruch der Kunden und dürften in Zeiten, in denen es auf den Straßen immer voller wird, eigentlich eine Phase des Aufschwungs erleben. Aber das Segment steht vor schwierigen Jahren. Denn auch die gesetzlichen Vorgaben in Sachen Crashsicherheit und Umweltschutz steigen, was die margenschwachen Autos für die Hersteller zu teuer macht. Schon heute ist der 9.000-Euro-Kleinwagen nur machbar, wenn man ein Modell stark rabattiert verkauft (Mitsubishi Space Star) oder als abgespecktes Basismodell produzieren lässt (Dacia Sandero).

i10 und Picanto im Video

Der Volkswagen-Konzern konzentriert sich bei Skoda Citigo und Seat Mii auf (nicht lieferbare) Elektro-Versionen, hat den Up noch als Benziner im Angebot. PSA wird Citroën C1 und Peugeot 108 auslaufen lassen, ist aus der Kleinwagen-Kooperation mit Toyota (Aygo) ausgestiegen.
Umso erfreulicher, dass die Hyundai Motor Group mit ihren Marken Hyundai und Kia dem Segment die Treue hält. 2019 kam der Hyundai i10 in neuer Generation auf den Markt. Der technisch eng verwandte Kia Picanto zog im Herbst 2020 mit einem leichten Facelift samt technischem Update nach.

Spätestens in sportlicher Ausstattungslinie mit 100 PS starkem Turbomotor zeigen die beiden Südkoreaner, dass kleine Abmessungen keinesfalls Verzicht bedeuten müssen. Nachdem der Hyundai i10 Style im Alltagstest seine Allrounderqualitäten bewiesen hatte, steht jetzt der Spaß im Vordergrund.

Das bietet der Hyundai i10 N Line

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Hyundai serviert den i10 N Line als sportliche Topmodell der Baureihe, nur er ist mit dem 1.0 T-GDI-Dreizylinder lieferbar. Rote Designkontraste an der Karosserie, 16-Zoll-Leichtmetallfelgen und spezielle Tagfahrlichter heben ihn von den regulären Modellen ab.

Innen kleidet Hyundai den in der Türkei gebauten i10 N Line mit schwarzen Stoffbezügen aus, die mit roten Nähten und N-Logo in den vorderen Kopfstützen aufgepeppt werden. Die Kunststoffe in den Türverkleidungen und im Cockpit wirken so rustikal wie sie sind, etwas mehr Flair würde das Charme-Konto des i10 auffüllen.

Punkte sammelt er stattdessen mit dem Platzangebot. Der Hyundai i10 ist im Vergleich im Kia Picanto nicht nur acht Zentimeter länger, sondern auch breiter. Das spürt man innen. Selbst große Erwachsene kommen auf der Rücksitzbank gut unter. Fahrer und Beifahrer freuen sich über eine großzügige Schulterbreite. Da wirkt selbst manches Auto der höheren Klasse beengter.

Das bietet der Kia Picanto GT-Line

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Das gilt auch für den Kia Picanto. Auch er taugt als Kurzstrecken-Viersitzer. Die Knie kommen aber schneller mit der Vordersitzlehne in Berührung, außerdem ist er spürbar schmaler. Dafür folgt Kia auch beim kleinsten Pferd im Stall seinem Weg, die Autos hübsch anzurichten.

Die Kunstlederbezüge, auch hier mit roten Kontrastnähten, wirken schicker. Zumindest die vorderen Türverkleidungen und das Armaturenbrett bieten eine größere Materialabwechslung. Rote Designdetails und schwarzer Klavierlack (Staubmagnet!) lassen den Picanto hochwertiger wirken. Nur er hat Haltegriffe für die Fondpassagiere im Dachhimmel.

Mehr Liebe zum Detail

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Ein weiteres Detail: Im Kia schwingt die Kofferraumabdeckung beim Öffnen der Heckklappe mit hoch, während sich Hyundai die entsprechende Aufhängung spart. Außerdem blickt man beim i10 unter dem klappbaren Ladeboden auf lackiertes Blech, der Kia hält auch im Kellerabteil Auslegeware vor.

Im Gegensatz zum Hyundai hält der Picanto die GT-Line als Ausstattungslinie vor, sie ist auch mit dem schwächeren 84-PS-Motor zu haben. Das ändert aber nichts am selbstbewussten Auftritt. Auch der Kia hat sich rot geschminkt, ließ sich spezielle Stoßfänger umschnallen und stolziert auf 16-Zoll-Alus ums Eck. Mit der deutlichen Keilform der Karosserie wirkt der kleinere Kia in den Augen mancher Betrachter angriffslustiger.

Das Fahrverhalten: Alles gleich?

Gleiche Plattform, gleiche Motoren. Also kein Grund, Hyundai i10 N Line und Kia Picanto GT-Line im Vergleich zu fahren? Gerade deswegen. Denn schon nach wenigen Minuten zeigen sich die Unterschiede.

Der i10 knüpft auf der Straße beim statischen Eindruck an. Auch unterwegs wirkt er erwachsen. Der Dreizylinder klingt angenehm und lässt sich freudig „drehen“. Mit dem hoch montierten Schalthebel, an dessen Ende der runde Knauf auf dem i30 N prangt, lassen sich die fünf Vorwärtsgänge auf kurzen Wegen sortieren. Die Federung ebnet den Untergrund geflissentlich ein und passt zur rückmeldungsfreundlichen, aber nicht zu spitzen Lenkung.

Umstieg in den Kia: Auch er sorgt für Fahrspaß. Im Vergleich zum Konzernbruder verwenden die Monteure im südkoreanischen Werk weniger Dämmmaterial. Somit klingt der Dreizylinder kerniger, stets präsenter. Auch die Windgeräusche auf der Autobahn sind stärker spürbar, aber für sich genommen noch immer schön leise.

Das Getriebe ist in beiden Autos weitgehend identisch. Jedoch hat der Kia Picanto einen längeren Schalthebel, der sich zudem im Testwagen weniger präzise führen ließ. Damit wirkt die Schaltung etwas lahmer als das Pendant im Hyundai.

Verbrauch auf gleichem Niveau

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Bei den Fahrleistungen nehmen sich beide Fünftürer, die jeweils um 1,1 Tonnen wiegen, nicht viel. In 10,3 (Hyundia) bzw. 10,5 Sekunden (Kia) geht es aus dem Stand auf 100 km/h, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 185 (i10) und 180 km/h (Picanto). Höheres Tempo erreichen sie Koreaner auch gut, wobei der neue Kia-Testwagen aufgrund seiner Jungfräulichkeit obenherum noch etwas gehemmter war.

Im Testalltag flossen bei beiden um 6,5 Liter Benzin je 100 Kilometer in durch die Einspritzdüsen, mit leichtem 0,2-Liter-Vorteil für den Hyundai.

Ausstattung und Preise

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Schlägt man die Preisliste auf, drängt sich der Kia Picanto in den Vordergrund. Mit 16.850 Euro ist die GT-Line fast 2.000 Euro günstiger als der i10 N Line für 18.790 Euro.

Für den Preisvergleich gilt es aber, die Ausstattungen zu vergleichen. Hier punktet der Hyundai. Ein Audiosystem mit acht Zoll großen Touchscreen und Smartphone-Einbindung via Apple CarPlay und Android Auto ist ab Werk dabei, bei Kia ist dafür das Connectivity-Paket für 590 Euro fällig.

Auch bei der Sicherheitsausstattung bietet der Hyundai mehr: Aktiver Spurhalteassistent, Müdigkeitswarnung und Frontkollisionswarner mit Fußgängererkennung sind Serie, beim Kia optional. Auch Klimaautomatik, induktive Smartphone-Ladeschale und Parksensoren am Heck hat der i10 dem Picanto voraus.

Mit Ausstattungspaketen lässt sich auch der Kia auf dieses Niveau bringen, die Klimaautomatik ist jedoch an das Navigationspaket gekoppelt. Das bringt UVO Connect mit Onlinefunktion und Echtzeit-Verkehrsinformationen ins kleine Auto. Auch Hyundai lässt optional sein vergleichbares BlueLink-Telematiksystem in den i10. Dann bringt er auch eine beim Kia nicht erhältliche Verkehrszeichenerkennung mit.

Gleichstand bei der Konfiguration

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Mit Navigationspaket bei beiden und weiteren Optionen beim Kia reduziert sich der Preisvorsprung des Picanto. 19.620 Euro bei ihm stehen 20.040 Euro beim i10 gegenüber, der also 420 Euro teurer ist. In der Testwagenkonfiguration steigt der Mehrpreis auf 920 Euro, weil nur Hyundai für 500 Euro das Dach in schwarzer Kontrastfarbe lackiert.

Garantie und Versicherung

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Einen Vorteil bietet der Kia bei der Garantie: Die Marke steht sieben Jahre (bis 150.000 Kilometer) für Fehler gerade, Hyundai bietet auch üppige fünf Jahre, begrenzt aber die Kilometer nicht.

Bleibt für Interessenten der Check der Unterhaltskosten, zu denen auch die KFZ-Versicherung zählt. Beide fahren in der Haftpflicht-Typklasse 13. Unterschiede gib es in der Teilkasko (Hyundai Typklasse 16, Kia Typklasse 18) und Vollkasko (Typklassen 19 und 16).

Fazit

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Am Ende steht vor allem eine Erkenntnis. Hyundai i10 und Kia Picanto sind weit mehr als nur „City-Cars“. Beide Koreaner bieten ein gutes Platzangebot, solide Verarbeitung und je nach Kundenwunsch viele moderne Optionen. Mit dem 100 PS-Motor sind sie kleine Fahrspaß-Granaten, bleiben aber voll alltagstauglicher.

Der Hyundai i10 N Line wirkt erwachsener. Sein Interieur ist geräumiger, seine Lärmdämmung aufwendiger, sein Komfort eine kleine Ecke besser. Der Kia Picanto GT-Line spricht die Emotionen mehr an. Er zeigt mehr Detailliebe bei der Inneneinrichtung, wirkt auch auf den zweiten Blick hochwertiger eingerichtet und fährt fast so gut wie der i10.

Hyundai i10 N Line Kia Picanto GT-Line T-GDI Vergleich Test Fotos Preis

Preislich liegen beide mit vergleichbarer Ausstattung auf ähnlichem Niveau. Der Hyundai i10 ist vor allem als N Line uneingeschränkt Erstwagen-tauglich und mimt den treuen Begleiter. Das schafft auch der Picanto GT-Line, der aber bewusst mit seiner Kompaktheit spielt und sich damit öfter für die Zweitwagenrolle empfiehlt.

Der Konzern positioniert beide also geschickt im Modellprogramm. Das Herz sagt spontaner „Picanto“, der Verstand blickt entschlossener zum i10. Glücklich wird man mit beiden.

Technische Daten

Hyundai i10 N Line // Kia Picanto 1.0 T-GDI GT-Line

Abgasnorm Euro 6d
Hubraum 998 ccm
Anzahl und Bauform Zylinder 3 in Reihe
Maximale Leistung kW / PS 74 kW / 100 PS bei 4.500 U/min
Max. Drehmoment 172 Nm bei 1.500 U/min // 175 Nm bei 1.500 U/min
Getriebe Fünfgang-Schaltgetriebe
Beschleuningung 0-100 km/h 10,5 Sekunden // 10,5 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit 185 km/h // 180 km/h
Norm-Verbrauch auf 100km 5,4 Liter // 5,5 Liter
Verbrauch real auf 100km 6,3 Liter // 6,5 Liter
Leergewicht 1.099 - 1.120 kg // 1.034 - 1.132 kg
Anhängelast (gebremst) n/a
Länge / Breite / Höhe 3.675 / 1.680 / 1.483 mm // 3.595 / 1.595 / 1.485 mm
Grundpreis 18.790 Euro // 16.850 Euro
Testwagenpreis 20.540 Euro // 19.620 Euro
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Text: Bernd Conrad
Bilder: Andreas Hof, Bernd Conrad