Maxus MIFA 9 Konkurrenz für den Mercedes EQV?

Luxus-Van mit Elektroantrieb aus China: Der Maxus MIFA 9 im ersten Fahrbericht mit Video-Review.



Vor knapp anderthalb Jahren startete die chinesische Marke Maxus, wie MG eine Tochter des SAIC-Konzerns (Shanghai Automotive Industry Corporation) mit zwei Transporter-Baureihen in Deutschland. Auf der IAA Transportation wurden [drei weitere Premieren]() gefeiert, darunter ein Elektro-Pick-up und ein leichter LKW mit E-Antrieb. Gleichzeitig wurde verkündet, dass Maxus in Europa zum sogenannten „Vollsortimenter“ werden will. Das Modellprogramm soll ausgebaut werden und neben Nutzfahrzeugen auch PKW umfassen.

Im Video: Maxus MIFA 9 Fahrbericht

Ein erster Schritt in diese Richtung ist die dritte IAA-Premiere von Maxus, der Van MIFA 9. Das Kürzel steht für die kryptische Bezeichnung „Maximum, Intelligent, Friendly, Artistic“; die Bedeutung der Ziffer neun bleibt unerklärt. Wichtiger ist aber, was hinter dem Namen steck: Ein siebensitziger Van mit Elektroantrieb. Die Basis stellt der Maxus G90, der in China mit Verbrennungsmotor verkauft wird.

Auf Bildern täuscht das „Two-Box“-Design mit ausgeprägter vorderer Haube (unter der ein 55 Liter großes Staufach, ein Frunk, steckt) über die wahre Größe des Maxus Mifa 9 hinweg. Mit einer Länge von 5,27 Metern und einer Breite von zwei Metern überragt er im Flächenbedarf Konkurrenten wie den ebenfalls elektrischen Mercedes EQV oder den Hyundai Staria mit Dieselmotor. Mit 1,84 Metern ist der Chinese aber deutlich flacher.

Edler Innenraum

Wir konnten den Maxus MIFA 9 nicht nur zum ersten Check mit Sitzprobe treffen, sondern exklusiv auch zu ersten Testfahrten starten. Wir starten mit dem Innenraum, denn hier gibt es viel zu entdecken.

Edles Mikrofaser-Material spannt sich über Dachsäulen und den Innenhimmel, die Sitze tragen Nappa-Leder. Die Kunststoffe im Cockpit sind sanft unterschäumt und haben eine griffsympathische Maserung. Nicht erinnert hier an Möchtegern-Bling-Bling, alles wirkt hochwertig und stilsicher. Dabei fängt das Staunen im Fond erst an.

Hinter den elektrischen Schiebetüren empfangen zwei luxuriöse Einzelsessel die Passagiere in der zweiten Reihe. In den äußeren Armlehnen stecken Touchscreen-Displays (schöne Grüße an den neuen BMW 7er / i7). Hier kann man nicht nur das Ambientelicht und weitere Funktionen steuern, sondern auch eine Heizung oder Kühlung des Sitzes sowie Massageprogramme auswählen. Selbstredend lässt sich das Mobiliar zum fast flachen Bett verwandeln, wenn man nicht alle Elemente einzeln auf das individuelle Wohlbefinden einstellen will. Sogar die Höhe der Kopfstütze lässt sich elektrisch regeln. Einzig die nahen Fußstützen stören, zumindest mit langen Beinen.

First Class in der zweiten Reihe

Maxus MIFA 9 Test Fahrbericht Video Review Elektro Van 2023

Außerdem kann man die Sitzposition einige Zentimeter in der seitlichen Position variieren. Das macht Sinn, denn eine herkömmliche Umklappfunktion für Zugang zur Economy-Class ganz hinten in Form einer breiten Dreier-Sitzbank gibt es nicht. Es bleibt also ein Durchfädeln zwischen den beiden nach außen gestellten Captains-Chairs. Auch das Kofferraumvolumen wird durch die luxuriöse Innenausstattung etwas eingeschränkt. Genaue Angaben dazu liegen noch nicht vor.

Die Innenarchitektur erinnert an den Hyundai Staria Signature , hat aber einen feinen Unterschied. Wird mehr Laderaum benötigt (und in der First Class gerade nicht geschlafen), lässt sich die Sitzbank auf Schienen nach vorne fahren. Damit kann man das Ladeabteil vergrößern.

Stürmisch bei nasser Straße

Maxus MIFA 9 Test Fahrbericht Video Review Elektro Van 2023

Obwohl das Lenkrad des Maxus MIFA 9 nur in der Höhe, nicht aber in der Weite, einstellbar ist, findet der Fahrer auf einem bequemen Sitz schnell eine komfortable Position. Die Instrumente sind auf einem Display animiert, außerdem gibt es en deutlich größeres Infotainment-Display. Hier werden alle Komfort- und Entertainmentfunktionen gesteuert, das Cockpit ist ansonsten knopflos. Neulinge müssen sich kurz eingewöhnen, auch um die Einstellmöglichkeiten für das Abblendlicht und andere Dinge zu finden – wer von Tesla umsteigt, fühlt sich zuhause.

Auch einen Startknopf gibt es nicht, das kennt man von einigen aktuellen E-Autos. Es reichen die Sitzbelegungserkennung sowie der Schlüssel und das Auto schaltet sich an. Der Elektromotor hat mit seinem Drehmoment von 350 Newtonmetern keine Probleme, den großen Van voranzutreiben. Vor allem im innerstädtischen Verkehr und auf Ring- und Ausfallstraßen schwimmt der Maxus MIFA 9 mit seiner komfortablen Federung gut im Verkehr mit. Hier dürfte er im Einsatz als Hotel- oder Firmenshuttle auch meist im Einsatz sein.

Die Traktionskontrolle dürfte bis zum Marktstart im Jahr 2023 gerne noch ein wenig Feinarbeit erhalten. Auf nasser Straße reicht ein halbwegs schwerer Fuß auf dem Fahrpedal, um die angetriebenen Vorderräder beim Losfahren an einer roten Ampel über den Asphalt wischen zu lassen, bevor die Elektronik arg spät eingreift.

Die vom Fahrerplatz aus gut sichtbare vordere Haube hilft dabei, auch in engen Kurven die Dimensionen des Fahrzeugs auf einen Blick abzuschätzen. Sobald man den Blinker setzt, wird zudem die gekonnte 3D-Rundumsicht mit animiertem Auto auf dem Infotainment-Bildschirm aktiviert. Für Sicht nach hinten sorgt ein digitaler Innenspiegel, auf dem das Bild einer Kamera am Heck zu sehen ist.

440 Kilometer Norm-Reichweite

Maxus MIFA 9 Test Fahrbericht Video Review Elektro Van 2023

Die Energierekuperation lässt sich in drei Stufen einstellen. Das gelingt leider nicht spontan über Schaltpaddels am Lenkrad, sondern nur über einen Menüpunkt am Touchscreen-Monitor. In der höchsten Stufe verzögert der MIFA 9 beim Anheben des Fahrpedal-Fußes schön stark und bis zu einem Tempo von etwa zehn km/h, erst dann muss man das Bremspedal betätigen. Reines One-Pedal-Driving (Fahren nur mit der Betätigung des Fahrpedals als Joystick) gelingt also nicht.

Im reinen Stadtverkehr soll der Strom im 90 kWh großen Lithium-Ionen-Akku für bis zu 595 Kilometer reichen, nach kombinierter WLTP-Norm immerhin für 420 Kilometer. Den Verbrauch und auch die Ladeleistung kann erst ein späterer Test klären. Auch detailliertere technische Daten mit Angaben zur Beschleunigung und der Höchstgeschwindigkeit liegen aktuell noch nicht vor.

Was kostet der Elektro-Van?

Maxus MIFA 9 Test Fahrbericht Video Review Elektro Van 2023

Das gilt auch für den Preis. Noch liegt dem Importeur seitens des Herstellers in China keine finale Kalkulation vor, auf deren Basis die Listenpreise für Deutschland erstellet werden können. Drei Ausstattungslinien sind geplant.

Wenn man sich im kleinen Segment der luxuriösen Elektro-Vans umsieht, bleibt eigentlich nur der Mercedes EQV als Mitbewerber im Fokus. Ihn dürfte der Chinese preislich deutlich unterbieten, aber – zumindest in der Ausstattung dieses Testwagens – kaum unter 68.000 Euro zu haben sein.
Ob und wann auch familientauglichere Varianten des Maxus MIFA 9 mit weniger aufwendigen Einzelsitzen in der zweiten Reihe oder als Fünfsitzer mit großem Kofferraum folgen, ist noch nicht bekannt.

Fazit

Maxus MIFA 9 Test Fahrbericht Video Review Elektro Van 2023

Das kam unerwartet. Bei uns startet Maxus gerade mit Elektro-Transportern für gewerbliche Nutzer, ein Pick-up sowie ein kleiner LKW sind angekündigt. Im gleichen Atemzug packen die Chinesen einen elektrischen Van aus, dessen luxuriöses Interieur nicht nur auf den ersten Blick mit viel Ausstattung und hochwertigen Materialien betört. Der MIFA 9 bietet obendrein einen gediegenen Federungskomfort. Das stürmische Anfahrverhalten auf nasser Straße dürften die Ingenieure bis zum Marktstart im Jahr 2023 noch in den Griff bekommen. Wir warten auf ausführliche Tests mit dem fertigen Auto ebenso wie auf einfacher ausgestattete Varianten für den Familieneinsatz.

Technische Daten

Maxus MIFA 9

Antrieb Frontantrieb
Getriebe Eingang-Reduktionsgetriebe
Elektromotor: Maximale Leistung kW 180 kW (245 PS)
Elektromotor: Maximales Drehmoment 350 Nm
Batterie 90 kWh Lithium-Ionen, WLTP-Reichweite 440 km (WLTP City 595 km)
Realer Verbrauch im Testzeitraum kWh/100 km noch nicht bekannt
Reifenmarke und –format des Testwagens Continental EcoContact 6 235/55 R19
Leergewicht noch nicht bekannt
Anhängelast (gebremst) noch nicht bekannt
Länge / Breite / Höhe 5.270 / 2.000 / 1.840 mm
Grundpreis noch nicht bekannt
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Text: Bernd Conrad
Bilder: Matthias Gill, Bernd Conrad
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