Borgward In Europa mit Stecker.

Anfang Mai zeigte Borgward den BX7 bei einem Oldtimertreffen.



Borgward

Als Newcomer hat man es im Haifischbecken der etablierten Autobauer schwer. Die Akteure im weitgehend gesättigten Markt haben natürlich kein gesteigertes Interesse daran, sich den Kuchen mit einem weiteren Tischnachbarn teilen zu müssen.

Da hilft erst einmal auch ein großer Name nichts. Borgward. Die Geschichte der ehemaligen deutschen Automarke wird heute oftmals verklärt, ganz nüchtern betrachtet war das Ende der Autofirma damals eine riesige Industriepleite und Borgward kein Opfer unbekannter Kräfte.

Vor vielen Jahren kamen die ersten Gerüchte auf, dass der Enkel von Carl F.W. Borgward ein Comeback der Marke plant. Auf der IAA 2015 zeigte die Firma dann erste Prototypen eines ziemlich mainstreamigen SUV-Modells. Perfekt zugeschnitten auf den Geschmack internationaler Märkte und vor allem geschickt positioniert: Durch den chinesischen Technikbaukasten der Borgward-Eigner von Foton / Beijing Automotive Industry (Berichterstattung hier) kann eine Positionierung diesseits der Deutschen Mitbewerber erreicht werden, womit das Auto für den chinesischen Mittelklassekunden erreichbar ist. Dort schlägt nämlich die Borgward-Geschichte ihr neues Kapitel auf.

Der Borgward BX7 wird in China produziert und kommt aktuell in den Verkauf. Das derzeitige Händlernetz von gut 100 Stützpunkten soll sich im Laufe des Jahres 2017 verdoppeln. Weil chinesische Kunden meist ausländische Produkte bevorzugen, wird man dabei nicht müde, Borgward als deutsches Unternehmen darzustellen. Eine große Markengeschichte spielt in China keine Rolle, somit kann man nicht auf Erinnerungen an Isabella und Llyod aufbauen.

Borgward

Wohl aber in Deutschland. Hier kennen zumindest die älteren Semester der Kunden noch die Marke. Deswegen sucht man auch den direkten Kontakt. Wenn man auf klassischen Automessen als Neuankömmling kritisch beäugt wird, muss man eben direkt zum Kunden. Was liegt näher als eine Borgward-Sause in Bremen? Dort liefen damals die Autos der Firma von den Bändern, in einer Fabrik, die heute den Mercedes-Stern trägt.

Anfang Mai rief das Borgward-Marketing nach Bremen und knapp 500 Oldtimerfahrer folgten dem Ruf. Nach Unternehmensangaben fanden auch 20.000 Besucher die Zeit, sich die alten Borgwards und die vier mitgebrachten BX7-Prototypen anzusehen.

Einmal mehr bekräftigte Borgward den Plan, den BX7 und weitere Modelle (Vorstellung BX5 und BX6TS hier) auch in Europa zu verkaufen.

Dabei kann der Schritt von der Klassik zu Moderne größer nicht sein: Die Modelle für Europa, für die aktuell noch eine Produktionsstätte gesucht wird (ich gehe von einer Endmontage chinesischer Komponenten aus) sollen ausschließlich als Plug-in Hybride und reine Elektroautos auf den Markt kommen.

Genaue Angaben zu den technischen Komponenten gibt es nach wie vor nicht zu hören, für die Elektroversion wird aber eine Reichweite von „mindestens 250 Kilometern“ in Aussicht gestellt.

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Für die Entwicklung der Europa-Fahrzeuge ist die Borgward AG im Frühjahr eine strategische Partnerschaft mit SAP, LG Electronics und Bosch eingegangen. SAP wird als IT-Dienstleister die gesamte Wertschöpfungskette von der Produktion bis zum Verkauf vernetzen. LG Electronics wird die Batterietechnologie und weitere Komponente wie z.B. Kompressoren für die Klimaanlagen zuliefern. Bosch kommt in den klassischen Autobau-Disziplinen aufs Spielfeld; Lenkung, Motorsteuerung und auch die Multimediaeinheiten entstehen dort.

Ich rechne mit einer ersten Präsentation der europatauglichen Borgward auf der IAA 2017, ein Verkauf könnte – wohl vor allem über das Internet – 2018 starten.

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Text: Bernd Conrad
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