VW ID.3 Resevierungen Die ersten 10.000. Und dann?

Das Interesse am VW ID.3 ist groß. Hoffentlich kann VW auch liefern.

Da schwingt natürlich eine starke Prise Start-up-Kultur mit, eine Aufbruchstimmung in eine neue Ära. Gestern hat VW vor der versammelten Weltpresse die Vorbestellungsphase des ersten MEB-Elektroautos namens VW ID.3 angekündigt und noch am gleichen Tag können Kunden nicht mehr „pre-booken“.

Es ist nicht so, dass die 30.000 Autos der Sonderserie ID.3 1st direkt ausverkauft wird. Das ist eh das falsche Wort, denn mit der Anzahlung von 1.000 Euro, die VW treuhänderisch für die Kunden verwalten will, hat man noch keine Bestellung aufgegeben. Man hat lediglich gut sichtbar gewunken und kann sich einen „frühen Produktionsslot“ sichern. Bestellen kann man den ID.3 erst im April 2020.

Warum so spät? VW arbeitet aktuell an neuen Händlerverträgen, die erst dann in Kraft treten. Selbst im April dürften die meisten Kunden den ID.3 noch nicht zur Probe fahren können. Ende 2019 soll zwar die Produktion im umgebauten Werk in Zwickau starten, wie schnell oder langsam sie hochgefahren wird, ist aber nicht bekannt. 200 Vorserienautos sind laut VW aktuell gebaut worden.

Man sagt, der Kundenansturm auf die Online-Reservierung hat alle Erwartungen übertroffen und zwinge die IT in die Knie. Echt? Nach so vielen Jahren der Studien und Planungen, nach Messeauftritten und Ankündigung des Starts von Vorbestellungen und Marketingkampagne am 8. Mai 2019 hätte doch jeder Stratege eine mindestens fünfstellige Zahl von Interessenten hochrechnen können. Zumal es Menschen aus 29 europäischen Ländern sind, die eine Anzahlung hinterlegen dürfen.

Darunter sind gewiss auch Frauen und Männer, die noch gar nicht sicher wissen, ob sie auch einen VW ID.3 haben wollen. 1.000 Euro sind für viele Menschen mit ernsthaftem Interesse an einem Neuwagen durchaus mal eben „zu parken“. Und ob man bei VW dafür nun keine Zinsen oder bei der Hausbank 0,00-irgendwas Prozent an Zinsen bekommt, ist ja eigentlich auch egal.

Aber es waren noch keine 30.000. Ausverkauft ist die limitierte Erstauflage des VW ID.3 also (noch?) nicht. VW spricht von „über 10.000“ Reservierungen und von „stündlich steigenden Zahlen“.

VW ID3 Reservierungen Lieferzeit

Jetzt zeigt sich die Herausforderung, die eine Neuordnung des Verhältnisses von Hersteller und Handel mit sich bringt. Mit dem ID.3 tritt VW erstmals in den direkten Kontakt mit seinen Kunden, die Reservierungen laufen also nicht dezentral bei den Verkaufsberatern in den Autohäusern auf. Der direkte Kontakt ist wichtig, um die ID-Fahrer später über das digitale Ökosystem mit der Volkswagen ID anzusprechen. Und ist auch der Grund für die neuen Händlerverträge ab 2020.

Es bleibt zu hoffen, dass VW sich ausreichend Batteriekapazitäten für den ID.3 bei seinen Lieferanten gesichert hat. Das Desaster, dass sich aktuell vor allem bei vergraulten Kunden von Hyundai und Kia, die ihre bestellten Elektroautos nicht oder halt irgendwann mal erhalten, abspielt, kann sich der Konzern nach dem Dieselskandal auf keinen Fall erlauben. Gelber Alarm ist bei Audi in Brüssel ausgerufen. Hier muss, Medienberichten zufolge, die Produktion des e-tron gedrosselt werden, weil Akkus fehlen.

„Wir haben uns ausreichend Kobalt gesichert“, antwortet Jürgen Stackmann, Vorstand für Vertrieb und Marketing bei VW, auf die Frage eines Journalisten. Was aber mit dem Rest der für die Batterien benötigten Rohstoffe ist, bleibt unklar.

Bei den frühen Kunden der Elektromobilität, den sogenannten „First Movers“ hat VW einen schlechten Stand. Nicht nur wegen dem Dieselskandal, sondern auch schon aufgrund der Tatsache, dass es sich um einen etablierten Automobilkonzern handelt. Alles was nicht Tesla heißt, wird erst einmal schlecht geredet.

Andere Start-ups bemerken gerade eine leicht kippende Stimmung bei den potenziellen Kunden. e.Go hat seinen Life noch immer nicht auf der Straße und der Sono Sion, der ab Ende 2020 in Schweden gebaut wird, soll ab 25.500 Euro kosten. Damit ist er nicht weit vom Einstiegspreis des VW ID.3, der bei unter 30.000 Euro starten soll, entfernt. Auch der Sion wurde 10.000-mal reserviert.

VW ID3 Reservierungen Lieferzeit

Sollte VW es schaffen, den ID.3 vom Start weg in ausreichender Menge an Kunden liefern zu können, wäre das aber vor allem ein Rückschlag für Hyundai und Kia. Der zeitliche Vorteil der Markteinführung wird durch die Lieferzeiten nämlich komplett zerstört. Wer jetzt einen Kia e-Niro überhaupt bestellen kann, dürfte sein neues Auto laut Händleraussagen nicht vor Sommer oder Herbst 2020 bekommen. Im Zweifel parkt vor Nachbars Garage dann schon länger ein ID.3.

Wer schneller elektrisch fahren will, der geht – wie in allen Szenarien das nötige Kleingeld vorausgesetzt – zu Tesla. Die Warteliste für das Model 3 ist weitestgehend abgearbeitet, die Lieferzeiten liegen mit einigen Wochen auf sehr übersichtlichem Niveau.

Wie die Reservierung abläuft und welche ID.3-Varianten es geben wird, steht hier .

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Text: Bernd Conrad
Bilder: Hersteller, Bernd Conrad (1)