Kia Sportage Plug-in Hybrid Dauertest Eine Sommerliebe?

Der Kia Sportage Plug-in Hybrid begleitet uns durch den Sommer. Ein Zwischenbericht aus dem SUV-Alltag.



„Der neue Maßstab“ zwischenüberschriftet die Fachzeitschrift „auto motor und sport“ über den neuen Kia Sportage Plug-in Hybrid im Vergleichstest mit Opel Grandland, Toyota RAV4 und Volvo XC40. Den der Koreaner – Achtung, Spoileralarm! – dann auch gewinnt. Wie wollen uns davon nicht beeinflussen lassen, aber auch hier gibt es einen Maßstab. Nämlich das Format 1:1. In den parkt der Sportage mit Stecker vor der Garage. Im Rahmen eines mehrmonatigen Alltagstest begleitet er uns durch den Sommer.

Stärkster Sportage mit 265 PS

Die aktuelle Modellgeneration des kompakten SUV kam Anfang des Jahres auf den Markt. Auch hier bei AUTONOTIZEN konnte der Sportage in Fahrberichten als 1.6 T-GDI Mildhybrid und Vollhybrid schon überzeugen. Der Plug-in Hybrid stand bereits vor einigen Wochen zu einem ersten Kennenlernen bereit.

Das elektrifizierte Antriebssystem baut Kia modular auf. Kern ist stets der 1,6 Liter große Vierzylinder-Benziner mit 132 kW / 180 PS. Als 48-Volt-Mildhybrid wird er dezent unterstützt, der erst jetzt in Deutschland bestellbare Vollhybrid bekommt einen stärkeren Elektromotor mit dann insgesamt 230 PS Systemleistung. Topmodell ist der Plug-in Hybrid mit „echtem“ Allradantrieb, der also nicht über einen zweiten E-Motor an der Hinterachse geregelt wird.

Sein Elektromotor leistet 67 kW (91 PS), was für eine Systemleistung von üppigen 195 kW / 265 PS und 350 Newtonmeter Drehmoment sorgt. Der Akku hat eine Speicherkapazität von 13,8 kWh. Geladen wird einphasig mit maximal 7,4 kW. Das bedeutet: In Deutschland zieht der Sportage an der öffentlichen 22-kW-Säule Energie mit höchsten 4,6 kW (höher darf hierzulande eine Phase nicht belastet werden). An der heimischen 11-kW-Wallbox nuckelt er mit 3,7 kW. Im Pendleralltag reicht das aus, wenn der Kia abends oder auch mal zwischendurch angestöpselt wird.

Langes Kabel mit Vorteil

Kia Sportage GT-Line Plug-in Hybrid Dauer Test Sommer 2022

Genug der Daten und Fakten, legen wir den Fokus auf dem Alltag mit dem Kia Sportage Plug-in Hybrid. Der zeigt: Auf die Länge kann es durchaus ankommen! Zumindest beim – leider mit 235 Euro extra zu zahlenden – Typ-2-Kabel für Wallbox oder Ladesäule. Denn im Gegensatz zu den meisten Mitbewerbern ist es nicht so kurz, dass man je nach freiem Längsparkplatz vor dem Ladepunkt verbotenerweise auf der linken Straßenseite parken muss.
Außerdem ist der hinten rechts angebrachte Stecker von Vorteil: Im Stadtverkehr hantiert man nicht auf der dem Verkehr zugewandten Seite mit dem Kabel herum. Leider zickt der Testwagen manchmal beim Start des Ladevorgangs, die Verriegelung des Kabels schließt und öffnet hörbar ohne Unterlass. Wer hier nicht aufpasst, kommt zurück zum Auto, ohne dass Strom geflossen ist.

Das Learning: Der Ladevorgang klappt nur, wenn man sich an der Säule identifiziert hat, das Kabel dort eingesteckt ist. Dann schnell das andere Ende in den Kia stöpseln und innerhalb von zwei Sekunden das Auto verriegeln. Trotzdem lohnt es sich, noch kurz mit wachem Ohr (wegen der Klickgeräusche der Verriegelung) zu warten.

Mit voller Batterie kommt der Kia Sportage Plug-in Hybrid im Frühsommer problemlos über 50 Kilometer weit rein elektrische voran. Auf der Autobahn wird er dabei bis zu 140 km/h schnell. Tests mit dem Kia Ceed SW PHEV und dem technisch weitgehend identischen Hyundai Tucson Plug-in Hybrid haben aber gezeigt: Weiterhin nutzt Kia den Verbrenner auch für nur minimale Heizleistungen im Innenraum. Bei kälteren Temperaturen ist also rein elektrisches Pendeln kaum möglich.

Auch Autobahn kann er

Kia Sportage GT-Line Plug-in Hybrid Dauer Test Sommer 2022

Eine lange Reise mit „Sack und Pack“ steht noch aus. Beim Verladen des Urlaubsgepäcks muss man aufgrund des, im Vergleich zu den reinen Verbrennern, kleineren Kofferraum etwas mehr Hirnschmalz investieren. 540 Liter sind aber immer noch ein ordentlicher Wert und weit mehr, als viele Konkurrenten bieten. Leider fehlt ein Trennnetz zum Innenraum.

Auch auf der Autobahn zeigt der Sportage sein kompetentes Wesen. 191 km/h Höchstgeschwindigkeit stehen im Datenblatt. Laut Tacho geht es aber locker über die 200er-Marke. Dann ist der Akku nach zwei Wimpernschlägen leer, bei hohem Reiseschnitt steigt der Benzinverbrauch auf zweistellige Werte.
Im bisherigen Testalltag mit regelmäßigem Nachladen des Akkus pendelt sich der Energiebedarf im Hybrid-Modus – auch mit längeren Strecken ohne stetem, aber doch regelmäßigem Nachladen – bei 3,4 Litern je 100 Kilometern ein. Ein guter Wert, der auf dem Niveau des deutlich schwächeren und kleineren Ceed PHEV liegt. Woran liegt das? Der stärkere Elektromotor des Sportage kann stärker Rekuperieren, der Akku die Energie entsprechend aufnehmen.

Guter Komfort mit straffer Note

Kia Sportage GT-Line Plug-in Hybrid Dauer Test Sommer 2022

Der Fahrkomfort mit den elektronisch gesteuerten Dämpfern und 19-Zoll-Rädern ist gut. Im Fern-Vergleich zum Hyundai Tucson zeigt der Kia Sportage eine leicht straffere Grundnote, was zur Positionierung innerhalb des Konzerns passt.

Das Cockpit mit den großen Displays gefällt, trotz der doppelt belegten Leiste mit virtuellen Tasten, mit seiner Bedienfreundlichkeit. Auch starke Sonneneinstrahlung blendet nicht auf den Monitoren. Die Effektivität der Sitzheizung dürfte in den kommenden Wochen nicht probiert werden können, wohl aber die Sitzlüftung für Fahrer und Beifahrer.

Über 55.000 Euro kostet der voll ausgestattete Testwagen mit dem GT-Line-Paket laut Preisliste und Konfigurator nach der jüngsten Erhöhung. Wer schnell bestellt, soll seinen Sportage Plug-in Hybrid noch bis Ende 2022 bekommen, dann kann man nach aktuellem Stand noch die Förderung von 7.177,50 Euro abziehen. Je nach heimischem Stromtarif, Lademöglichkeit und Fahrprofil kann man aber auch danach im täglichen Betrieb sparsam unterwegs sein.

Zwischenfazit

Kia Sportage GT-Line Plug-in Hybrid Dauer Test Sommer 2022

Auch im Alltag kann der Kia Sportage mit seinem großzügigen Platzangebot, moderner Technik und hohem Komfort punkten. Der Plug-in Hybrid erzielt, zumindest im Sommer, eine ausreichende elektrische Reichweite. Kia garniert das gute Rezept des Sportage mit einem modernen Design, das – so zeigen es die Gespräche am Gartenzaun – bei vielen Menschen gut ankommt.

Im Video: Kia Sportage Plug-in Hybrid Fahrbericht

Technische Daten

Kia Sportage Plug-in Hybrid GT-Line

Antrieb permanenter Allradantrieb
Hubraum 1.598 ccm
Anzahl und Bauform Zylinder 4 in Reihe
Maximale Leistung kW / PS 132 kW / 180 PS bei 5.500 U/min
Max. Drehmoment 265 Nm bei 1.500 - 4.500 U/min
Getriebe Sechsgang-Automatik
Elektromotor: Maximale Leistung kW 67 kW (91 PS)
Elektromotor: Maximales Drehmoment 304 Nm
Systemleistung: kW / PS 195 kW / 265 PS, 350 Nm
Batterie 13,8 kWh Lithium-Ionen-Polymer
Maximale Ladeleistung Wechselstrom (AC) 7,2 kW
Ladeleistung Wechselstrom (AC) im Test 4,6 kW (einphasig an 22 kW) / 3,7 kW (einphasig an 11 kW)
Tankinhalt 42 Liter
Beschleuningung 0-100 km/h 8,2 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit elektrisch 140 km/h
Höchstgeschwindigkeit 191 km/h / 209 km/h (mit 22-Zoll-Rädern)
Norm-Verbrauch kWh / 100 km 16,9 kW
Norm-Verbrauch auf 100km 1,1 Liter
Verbrauch real auf 100km 3,6 Liter
Leergewicht ca. 2 Tonnen
Anhängelast (gebremst) 1.350 kg, Stützlast 100 kg
Länge / Breite / Höhe 4.515 / 1.865 / 1.650 mm
Grundpreis 45.290 Euro (Basis) / 51.280 Euro (GT-Line)
Testwagenpreis 54.550 Euro
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Text: Bernd Conrad
Bilder: Bernd Conrad
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