VW Tiguan eHybrid 2021 Jahre später...

Fünf Jahre nach der GTE-Studie kommt der VW Tiguan eHybrid in Serie. Erste Fahrt im elektrifizierten SUV-Bestseller.

Das hat aber gedauert! Schon zur Weltpremiere der aktuellen Tiguan-Generation stand ein GTE-Modell als Studie auf dem Messestand zur IAA 2015. Seitdem sind mehrere Millionen Tiguan vom Band gerollt, aber keiner als Plug-in Hybrid.

Längst ist das SUV der weltweite Bestseller der Marke VW, allein im letzten Jahr wurden 911.000 Tiguan gebaut. Das mal zur Einordnung hinter der deutschen Golf-Brille.

Der Tiguan eHybrid im Video

Kein Wunder, dass die Designer das turnusgemäße Facelift des Tiguan nur behutsam angehen. Die Frontpartie bekommt eine leicht höhere Motorhaube im Stil des VW Tiguan Allspace (der erst später geliftet wird). Die neuen Scheinwerfer, serienmäßig mit LED-Technologie, ziehen sich in Form eines Lidstrichs weiter in den Kotflügel. Außerdem gibt es einen größeren Kühlergrill und damit auch einen geänderten Stoßfänger.

Am Heck des VW Tiguan zieht der Modellschriftzug auf die Mitte der Klappe, dazu bekommen die LED-Rückleuchten ein neues Innenleben. Im Cockpit fahren neue Infotainmentsysteme auf Basis des MIB3 (Modularer Infotainmentbaukasten der dritten Generation) und das neue Marken-Lenkrad mit.
Außerdem wurde das Bedienelement für die Klimaautomatik geändert. Anstelle haptischer Regler und Knöpfe wird auch für das Temperaturmanagement jetzt getoucht, auch Slider ziehen ein. Immerhin sind sie, im Gegensatz zum VW Golf, beleuchtet.

R und eHybrid sind neu

VW Tiguan eHybrid 2021 Test Fahrbericht Preis Video

Das Motorenprogramm des VW Tiguan wurde neu sortiert. Der 240 PS starke TDI mit zwei Turboladern entfällt, da er keinen Bauraum für die Twindosing-Abgasreinigung mit zwei SCR-Katalysatoren lässt. Dafür steigt die Leistung des 190 PS-Diesel auf 200 PS, neues Benziner-Topmodell ist der sportliche VW Tiguan R mit 320 PS .

Kommen wir jetzt aber endlich zum VW Tiguan eHybrid. Mit dem elektrifizierten Modell dürfte VW vor allem Firmenwagenfahrer ansprechen, die vom vergünstigten Satz bei der Versteuerung des geldwerten Vorteils profitieren.

Ein tiefer Griff ins Konzernregal bringt unter dem Blechkleid kaum Überraschungen hervor. Prinzipiell entspricht der Antrieb im neuen Hybrid-SUV dem VW Passat GTE . Der 1.4 TSI-Benziner leistet 110 kW / 150 PS. Am 6-Gang DSG (Doppelkupplungsgetriebe) sitzt ein Elektromotor, der maixmal 85 kW (115 PS) leistet. Über die Software wird eine im Vergleich zum Passat GTE leicht höhere Systemleistung von 180 kW / 245 PS erreicht. Damit liegt der Tiguan eHybrid auf dem Niveau des VW Golf GTE .

Laden mit maximal 3,6 kW

13 kWh (brutto) kann die Lithium-Ionen-Batterie speichern. Sie sitzt vor der Hinterachse, der Tank rutscht nach hinten. Das reduziert den Kofferraum im Tiguan um das Fach unter dem doppelten Ladeboden. Geladen wird am linken Kotflügel. Dafür muss Zeit eingeplant werden. An der Haushaltssteckdose fließt Strom mit maximal 2,3 kW in den Akku, an der Wallbox mit 3,6 kW.

So fährt sich der Tiguan eHybrid

VW Tiguan eHybrid 2021 Test Fahrbericht Preis Video

Wir starten mit voller Batterie zur ersten Probefahrt. Das passiert elektrisch, wenn man mag bis zu einer Geschwindigkeit von 130 km/h. Auf Landstraßen und in Ortschaften ist man mit der Kraft des Elektromotors ruhig und ausreichend dynamisch unterwegs, das fast lautlose Fahren passt gut zum komfortablen und geräumigen SUV. Die elektrische Reichweite gibt der Hersteller mit bis zu 65 Kilometer an, 45 bis 50 Kilometer im realen Verkehr sind eine realistische Größenordnung.

Das Fahrassistenzpaket Travel Assist berücksichtigt bei aktivierter Routenführung im Navigationssystem den Ladezustand der Batterie. Es wird also nicht erst einmal der Strom leergenuckelt, die beiden Antriebe werden sinnvoll geschaltet. Wer mag, kann über das Menü auf dem Infotainmentmonitor auch während der Fahrt den Ladezustand des Akkus erhöhen. Der Benziner arbeitet dann nicht nur für den Vortrieb, sondern auch als Generator.

GTE-Taste an Bord

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Nicht nur dann, sondern auch bei schneller Beschleunigung, zum Beispiel bei einem Überholmanöver, meldet sich der TSI lautstark zu Wort. Der 1,4 Liter große Benziner muss sich dann spürbar anstrengen. Das gilt auch für den Druck auf die GTE-Taste, wenn das Hybridsystem die volle Leistung zur Verfügung stellt.

Der Knopf mit der nicht mehr aktuellen Typenbezeichnung ist ein Zeichen dafür, dass Konzept und Idee hinter dem VW Tiguan eHybrid schon einige Jahre alt sind. Das zeigt auch der Blick nach links und rechts. Auf den Händler-Höfen der Mitbewerber parken mittlerweile diverse Kompakt-SUV als Plug-in Hybride. Oftmals als Allradmodell mit zwei Elektromotoren, so zum Beispiel beim Opel Grandland X oder Toyota RAV4 PHEV . Damit kann der VW Tiguan eHybrid nicht dienen, ihn gibt es ausschließlich mit Frontantrieb.

Konkurrenz vom ID.4

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Den Preis des Tiguan eHybrid verrät VW noch nicht. Die Tarife dürften für das Basismodell jedoch bei knapp unter 43.000 Euro beginnen. Damit kommt der Tiguan eHybrid in eine Zwickmühle. Wer mit dem SUV auch mal Hänger ziehen oder über Feldwege zur Hütte fahren will, nimmt wohl weiterhin einen Verbrenner als 4Motion. Elektro-Fans investieren nach Abzug der Umweltprämie nur wenig mehr und dürften zum vollelektrischen ID.4 greifen.

Fazit

VW Tiguan eHybrid 2021 Test Fahrbericht Preis Video

Der VW Tiguan eHybrid ist ein technisch ausgefeilter Plug-in Hybrid und bleibt ein geräumiger Familienfreund. Die ausgereifte Technik verwundert kaum, ist sie doch schon seit Jahren in anderen Modellen verfügbar. Die Konkurrenz erwacht im eigenen Haus mit dem elektrischen VW ID.4. Die Plug-in Hybride der Konkurrenz fahren teils mit elektrischem Allradantrieb vor – der fehlt dem Tiguan.

Technische Daten

VW Tiguan eHybrid (vorläufige Daten)

Abgasnorm Euro 6d
Hubraum 1.395 ccm
Anzahl und Bauform Zylinder 4 in Reihe
Maximale Leistung kW / PS 110 kW / 150 PS
Getriebe 6-Gang-Doppelkupplungsgetriebe
Elektromotor: Maximale Leistung kW 85 kW (115 PS)
Systemleistung: kW / PS 180 kW / 245 PS, 400 Nm
Batterie 13 kWh Lithium-Ionen
Höchstgeschwindigkeit elektrisch 130 km/h
Grundpreis ca. 43.000 Euro
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Text: Bernd Conrad
Bilder: Andreas Hof, Bernd Conrad