Ab 35.600 Euro: Der Xpeng L03 im ersten Check mit Sitzprobe, auch als Video-Review.
Die chinesische Marke Xpeng legt bei den Verkaufszahlen in Deutschland ordentlich zu. In den ersten sechs Monaten dieses Jahres wurden 3.357 Neuwagen erstmals zugelassen, deutlich mehr als im Gesamtjahr 2025, also 2.991 Xpeng-Autos erstmals auf die Straße rollten. Bis Ende 2026 will Deutschland-Geschäftsführer Markus Schrick 8.000 neue Xpeng verkauft haben. Einen Treiber für dieses Wachstum haben die Chinesen jetzt vorgestellt: Der Xpeng L03 erweitert das Modellprogramm nach unten.
In China wurde das SUV-Coupé als Teil der günstigeren Produktlinie Mona bereits vorgestellt, hier flankiert es die bei uns nicht erhältliche Stufenhecklimousine M03. Zu uns kommt das neue Modell als Teil der regulären Xpeng-Familie.
Der Einstiegs-Xpeng
Die Positionierung als Einstiegsmodell findet dabei weniger über das Format statt. Kleine Autos sind auf dem chinesischen Heimatmarkt weniger gefragt. Da verwundert es kaum, dass der L03 mit einer Länge von 4,65 Metern, einer Breite von 1,92 Metern und einer Höhe von 1,60 Metern kaum weniger Verkehrsfläche beansprucht als der Xpeng G6 (4,75 Meter lang, 1,92 Meter breit und 1,65 Meter hoch). Während G6 und G9 sowie die Limousine P7+ mit 800-Volt-Technologie für schnelles Laden vor allem Vielfahrer und technikaffine Kunden ansprechen sollen, markiert der L03 das alltagstaugliche Elektroauto ohne Abstriche bei der Infotainment- und Assistenzausstattung ohne Fokus auf das ultraschnelle Laden unterwegs.
Die Technik-Architektur mit LFP-Akkus (Lithium-Eisenphosphat) arbeitet mit 400 Volt Bordspannung. Drei verschiedene Antriebs-Akku-Konfigurationen werden angeboten. Jede davon kann Wechselstrom an der heimischen Wallbox oder an einer öffentlichen Ladesäule über drei Phasen mit 11 kW ziehen, außerdem ist eine V2L-Funktion (Vehicle to Load, 6 kW) serienmäßig.
Welche Antriebe gibt es?
Der Xpeng L03 Standard Range RWD (Rear Wheel Drive) hat einen 58,3 kWh großen Stromspeicher (alle Angaben gelten für die Brutto-Kapazität) für eine Reichweite von 445 Kilometern nach WLTP-Norm, den Verbrauch gibt der Hersteller mit 15,3 kWh/100 km an. Die Ladeleistung über den CCS-Anschluss gipfelt in 193 kW, der Hub von zehn auf 80 Prozent dauert 20 Minuten. An der Hinterachse arbeitet ein Elektromotor mit 180 kW (245 PS), der ein Drehmoment von 264 Newtonmetern bereitstellt.
Den gleichen Antrieb nutzt das Modell Longe Range RWD, kombiniert den Motor mit einem 71,2 kWh großen Akku, die Reichweite steigt bei einem Verbrauch von 16,0 kWh/100 km auf 520 Kilometer. Mit der größeren Batterie steigt die Ladeleistung auf 236 kW, weshalb 10-80% auch hier in 20 Minuten erledigt sein soll.
Das Topmodell ist der Xpeng L03 Performance AWD mit 71,2-kWh-Akku und zusätzlichem Motor an der Vorderachse. Die Systemleistung liegt bei 285 kW (388 PS), das Drehmoment bei 431 Newtonmetern. In 4,5 Sekunden beschleunigt die Allrad-Version aus dem Stand auf 100 km/h, alle L03 haben eine Höchstgeschwindigkeit von 180 km/h. Die Reichweite des Performance-Modells liegt bei 440 Kilometern, der Stromverbrauch nach Norm bei 18,4 kWh/100km.
Form Follows Zeitgeist
Das Design des Xpeng wirkt zeitgeistig, ist damit aber auch leicht austauschbar. Mit der Fleißheck-Karosserieform, schmalen LED-Lichtelementen in pfeilförmigen Gehäusen an der Front und der Leiste am Heck folgt er aktuellen Trends, wie viele andere Autos (nicht nur aus China) dieser Tage.
Verschließbare Lamellen im vorderen Stoßfänger optimieren die Aerodynamik, sie öffnen sich nur bei Kühlluftbedarf von Antrieb und Akku. Auf die neuen Vorschriften zuhause, die elektrisch ausfahrbare Türgriffe verbieten, reagiert Xpeng beim L03. Er hat klassische Klapp-Griffe mit Mulden unter den rahmenlosen Seitenscheiben. Die Seitenlinie steigt in Richtung Heck steil an, das dritte Seitenfenster ist nur ein kleines Dreieck. Am Heck zeigen kleine Öffnungen an den Seiten den aerodynamischen Feinschliff der Karosserie (Luftwiderstandsbeiwert cW =0.228). An der schrägen Scheibe wird auf einen Heckwischer verzichtet.
Hinter der elektrischen Klappe steht ein Kofferraum bereit, der mit 367 Litern Volumen nur unterdurchschnittlich groß ist. Zusätzlich gibt es Platz für Ladekabel und Co. unter der vorderen Haube. Der Frunk (Front Trunk / vorderer Kofferraum – also ein Vofferraum?) ist bei den Modellen mit Heckantrieb 89 Liter groß, beim Allradler bleiben 44 Liter.
Sitzprobe im L03
Bei der ersten Sitzprobe im Xpeng L03 verblüfft vor allem das Platzangebot im Fond. Klar, 2,85 Meter Radstand sind üppig. Was die Entwickler im Innenraum daraus gemacht haben, verdient aber trotz dem kleinen Gepäckabteils Anerkennung. Vor den Knien bleibt viel Luft. Auch große Menschen sitzen, trotz der Karosserieform mit abfallender Dachlinie, angenehm aufrecht und ohne zu stark angewinkelte Beine. Hier lässt es sich auch auf langen Strecken bequem aushalten. Die Rücksitzbank ist angenehm weich gepolstert, ohne dass man zu stark einsinkt. Praktische Alltagshelfer sind in Form von Haltegriffen für die Außenplätze mit integrierten Leselampen, Haken an den B-Säulen zum Aufhängen von Jacken und Einsteckmöglichkeiten für Tablet-Halterungen an den Rückseiten der Vordersitzlehnen mit an Bord. Auch Ablagetaschen darunter fehlen nicht, ebenso Lüftungsdüsen für die zweite Reihe. Außerdem gibt es eine praktische Schublade als Staumöglichkeit für Kleinkram unter der Rücksitzbank. Da verwundert es fast, dass man nur eine USB-C-Steckdose in der Mittelkonsole integriert hat.
Auch vorne bietet der L03 großzügige Platzverhältnisse. Trotz der recht hohen und breiten Mittelkonsole fühlt man sich nicht eingeengt. Elektrisch verstellbare Vordersitze mit Memory-Funktion, Heizung und Lüftung sind serienmäßig. Auch eine einfachere Sitzmassage über die Lendenwirbelstütze gehört zum Ausstattungsumfang aller Versionen.
Der Xpeng L03 im Video
Die Cockpit-Architektur mit einem 8,8 Zoll großen Display für den Fahrer und 15,6 Zoll großen Touchscreen auf der Mittelkonsole ist von anderen Xpeng-Modellen bekannt. Die Software kommt vom Hersteller selbst. Auf diesem Feld haben die Chinesen eine große Expertise. Das Know-how führte auch zu einer 700-Millionen-Beteiligung von Volkswagen an Xpeng und der Premiere erster VW-Modelle für China mit chinesischer Technologie unter dem Blechkleid. Bei uns wird der für 2027 angekündigte elektrische VW-Kleinstwagen, das Serienmodell der Studie ID. Everyone, der erste VW mit Xpeng-Software.
Zurück zum L03. Die knopflose Bedienstruktur erfordert auch hier das Surfen durch entsprechende Menüs für sämtliche Funktionen bis hin zur Einstellung der Außenspiegel. Immerhin: Der Touchscreen reagiert flüssig auf Druckbefehle der Fingerkuppe, außerdem ist eine Sprachsteuerung an Bord. Smartphone-Inhalte über Apple CarPlay oder Android Auto lassen sich ohne Kabelverbindung nutzen, das Telefon kann währenddessen mit 50 Watt Leistung in der Mittelkonsole geladen werden. Außerdem ist Google Maps als Navigationssystem ab Werk Teil des Systems, eingebettet in die eigene Software-Umgebung von Xpeng.
Zusätzlich zu den Anzeigen auf den beiden Monitoren im Cockpit ist ein Head-up-Display in jedem L03 an Bord. Die Informationen werden direkt ins Blickfeld des Fahrers auf die Windschutzscheibe gespiegelt.
Next Generation Pilot
In der Ausstattungslinie Ultra fährt unter dem Namen „Xpeng Next Generation Pilot“ (XNGP) ein umfangreiches Fahrassistenz-Programm mit. Dafür werden zusätzliche, hausintern entwickelte, AI Turing Chips für mehr Rechenleistung eingebaut, die Windschutzscheibe ist im Bereich der Frontkamera beheizbar. Das Paket erlaubt automatisiertes Fahren mit Punkt-zu-Punkt-Navigation auch in unübersichtlichen Situationen. Vor allem auf großen Kreuzungen in asiatischen Megacitys, wo es vor Autos und Zweirädern nur so wimmeln kann, wird der Fahrer entlastet. Außerdem kann der L03 auch in unmarkierten Bereichen einparken und eine bestimmte Strecke selbständig rückwärtsfahren, beispielweise eine enge Einfahrt. Je nach lokaler Gesetzgebung und der Zulassung des Systems sollen einzelne Bausteine schrittweise freigeschaltet werden.
Auch ohne XNGP bietet der L03 den gewohnten Umfang an Fahrassistenz in Form einer adaptiven Geschwindigkeitsregelanlage, Spurzentrierungsassistenz, Verkehrszeichenerkennung und 360-Grad-Kamera. Der Parkassistent kann das Auto in markierte Lücken steuern, außerdem lässt sich das Ein- und Ausparken mit dem Smartphone als Fernbedienung von außen steuern.
Was kostet der Xpeng L03?
Im Format entspricht der L03 nicht nur beinahe dem G6, sondern einer Vielzahl von Mitbewerbern wie Skoda Enyaq Coupé, Cupra Tavascan oder Ford Capri. Beim Preis unterbietet der Chinese aber sogar die meisten Kompakten. Den Xpeng L03 Standard Range L03 gibt es für 35.600 Euro. Als Long-Range-Version steht er mit 38.600 Euro in der Preisliste, der Performance AWD mit 41.600 Euro. Die genannte Ausstattung mit elektrisch verstellbaren Sitzen, Head-up-Display, 1,3 Quadratmeter großem Panoramadach (ohne Öffnungsfunktion), Wärmepumpe und mehr ist stets mir dabei.
46.600 Euro kostet das Topmodell L03 Performance AWD Ultra. Hier bekommt der Kunde die XNGP-Fahrassistenz und eine erweiterte Sprachassistenz für natürlich Interaktion mit den entsprechenden Hardware-Bausteinen, 20 statt 18 Zoll große Leichtmetallfelgen auf „Markenreifen“ (wir sind gespannt!), ein Soundsystem mit 18 statt 9 Lautsprechern und ein System nur Reduzierung der Umgebungsgeräusche. Außerdem kann eine umfangreichere Massage für die Vordersitze mit wählbaren Programmen genießen.
Neben zwei Farbwelten für das Interieur stehen sechs Lackierungen zur Wahl, „Arctic White“ ist serienmäßig. Die Anhängelast des Xpeng L03 beträgt 1.500 Kilogramm. Die entsprechende Kupplung ist als Option zum Mehrpreis von 1.190 Euro bestellbar. Wie liegt dann im Kellerabteil des Kofferraums bereit, ist also nicht elektrisch einklappbar.
Für den Xpeng L03 Performance AWD Ultra kann man gegen Zuzahlung von 1.000 Euro das Ausstattungspaket Black Edition ordern. Der Name ist Programm. Zur Lackierung im Farbton „Midnight Black“ kommen schwarze Leichtmetallfelgen und schwarze Designdetails an der Karosserie wie Logos und Schriftzüge.
REEV – Range Extender Hybrid
Als erster Xpeng für Europa kommt der L03, einige Monate nach dem Bestellstart der batterieelektrischen Varianten, auch als serieller Plug-in Hybrid auf den Markt. Chinesische Marken sprechen dabei lieber von einem Elektroauto mit Range Extender.
Im Vorderwagen dieser Variante wird ein 1,5 Liter großer Vierzylinder-Benziner arbeiten. Er treibt nie direkt die Räder an, diesen Job überlässt er dem Elektromotor an der Hinterachse. Der LFP-Akku hat eine Speicherkapazität von 37,25 kWh, die für eine rein elektrische Reichweite von mehr als 200 Kilometern ausreichen sollen. Den leeren Akku kann man mit 11 kW an einer Wechselstrom-Quelle oder am Schnelllader füllen. Über den CCS-Anschluss soll auch hier ein Ladevorgang von 10 auf 80 Prozent in 20 Minuten möglich sein, die Ladeleistung beträgt maximal 123 kW.
Für längere Fahrten ohne Ladepause springt der Benziner ein, der als Kraftwerk an Bord Energie produziert, die in Form von Strom über den Akku dem Elektromotor zur Verfügung gestellt wird. Bei diesem Arbeitsprinzip spricht man von einem seriellen Hybrid-System. Der Vorteil: Ohne direkte Steuerung der Räder durch den Benziner kann dieser im stets optimalen Drehzahlbereich laufen, der Verbrauch wird gesenkt. Als Gesamtreichweite mit Strom und Sprit aus dem 42 Liter großen Tank gibt Xpeng über 1.000 Kilometer an. Der Xpeng L03 REEV (Range Extended Electric Vehicle) soll vor Ende des Jahres zum Preis von 38.600 Euro in den Handel kommen. Weitere technische Daten folgen kurz vor dem Verkaufsstart.
Wie alle Modelle von Xpeng wird auch der L03 mit einer Neuwagengarantie für den Zeitraum von sieben Jahren bis zu einer Laufleistung von 160.000 Kilometern zu den Kunden kommen, auf die Hochvoltbatterie im Fahrzeug gibt es eine Garantie über acht Jahre bis 160.000 Kilometer. Anders als P7+, G6 und G9 wird der Xpeng L03 nicht beim Auftragsfertiger Magna in Österreich endmontiert, um EU-Strafzölle zu umgehen. Alle Fahrzeuge dieser Baureihe werden aus China nach Europa verschifft.
Fazit
Bei der ersten Sitzprobe überrascht der Xpeng L03 mit seinem üppigen Platzangebot und den sehr bequemen Sitzgelegenheiten in beiden Reihen. Dieser Komfort geht jedoch, wie bei vielen Autos aus China, zulasten des Kofferraumvolumens. Der L03 startet als Elektroauto mit Heck oder Allradantrieb und einer 400-Volt-Architektur. Die sehr hohen Ladeleistungen der größeren Xpeng-Modelle bietet er also nicht, die Werte im Datenblatt liegen aber noch immer auf einem guten Niveau. Sie Serienausstattung ist üppig, sie umfasst auch ein Head-up-Display, elektrisch verstellbare Vordersitze mit Heizung und Lüftung sowie Google Maps als Navigationssystem im fahrzeugeigenen Infotainment-System.
Mit Preisen ab 35.600 Euro ist der Xpeng L03 ein echtes Schnäppchen. Die neueste Generation der Fahrassistenz namens „Xpeng Next Generation Pilot“ mit entsprechendem Hardware-Upgrade gibt es jedoch nur im Topmodell Ultra auf Basis der Performance-Version mit Allradantrieb. Als erster Xpeng kommt der L03, zusätzlich zu den Varianten mit rein batterieelektrischem Antrieb, im Herbst 2026 auch mit Range Extender, also als serieller Plug-in Hybrid mit 1,5 Liter großem Benziner und E-Motor.