VW mit Ford, Audi mit Hyundai Neue beste Freunde

Audi kooperiert mit Hyundai bei der Brennstoffzelle, VW spricht mit Ford über Nutzfahrzeuge.



Der vom Konzernchef Herbert Diess proklamierte Kulturwandel bei Volkswagen scheint das Unternehmen auch nach außen hin zu öffnen. Mit gleich zwei Wettbewerbern startet man Kooperationen. Bei der Brennstoffzellentechnologie schickt man die Tochter Audi voraus, um einen Vertrag mit der Hyundai Motor Group zu schließen. Die Ingolstädter hatten bisher schon innerhalb des Volkswagen-Konzerns die Federführung bei der Entwicklung von Brennstoffzellenautos.

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Toyota und Hyundai sind auf diesem Gebiet wesentlich weiter als die deutschen Autohersteller, bei denen es über eine für dieses Jahr angekündigte Kleinserie bei Mercedes-Benz noch keine greifbaren Entwicklungsergebnisse zu vermelden gibt. Toyota baut neben dem Mirai auch einen Nahverkehrsbus mit Wasserstofftanks , bei Hyundai geht aktuell mit dem SUV Nexo schon die zweite Generation des Brennstoffzellenfahrzeugs in Serie.

Der zwischen Hyundai und Audi geschlossene Kooperationsvertrag sieht die gegenseitige Lizenzierung von Patenten für Bauteile und Technologien in Brennstoffzellenautos vor. Beide Vertragspartner können die gemeinsam entwickelten Komponenten auch an Konzernunternehmen weiterreichen, Hyundai also an Kia und Audi an Volkswagen und die anderen Marken der Gruppe. Es scheint, dass die deutschen Entwickler einen möglichen Rückstand in der Entwicklung schnell aufholen möchten. Einer der Vertragspunkte sieht nämlich vor, dass Hyundai Teile aus der Entwicklung des ix35 Fuel Cell und des Nachfolgers Nexo an Audi weitergibt.

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„Die Brennstoffzelle ist die zweckmäßigste Form des elektrischen Fahrens und damit ein starker Aktivposten in unserem Technologieportfolio für die emissionsfreie Premium-Mobilität der Zukunft“, sagt Audi-Entwicklungsvorstand Peter Mertens. Er führt weiter aus: „Für den Durchbruch dieser nachhaltigen Technologie sind Kooperationen ein cleverer Weg, um eine Innovationsführerschaft mit attraktiven Kostenstrukturen zu erreichen.“

Diesen Ansatz verfolgt Volkswagen auch im Nutzfahrzeugbereich. Mit Ford wurde eine Absichtserklärung über mehrere Projekte geschlossen, die unter anderem auch die gemeinsame Entwicklung von Nutzfahrzeugmodellen vorsieht.

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Kooperationen in diesem Markt sind keine Seltenheit. Der bisherige VW Crafter wurde gemeinsam mit dem Mercedes Sprinter entwickelt und gebaut. Opels Transportermodelle Vivaro und Movano laufen auch unter den Flaggen von Renault und Nissan, dürften aber bald auf PSA-Basis ausweichen. Der Combo war früher ein Derivat des Fiat Doblo und ist in der neuen Generation baugleich mit Citroen Berlingo und Peugeot Rifter.

Eine gemeinsame Sache von VW und Ford könnte für die Nachfolger des VW Caddy und des Ford Transit Courier und Connect durchaus Sinn machen. Der komplexe MQ-Baukasten könnte als Grundlage für den Caddy zu teuer sein, Hand in Hand mit Ford lohnt sich eine technische Entwicklung als Grundlage für Nutzfahrzeuge eher. Der Crafter könnte die Basis für neue Transit-Modelle bilden und der kleinere Transit Custom mit dem Nachfolger des VW Transporters eine Bruderschaft bilden, während die PKW-Versionen Multivan und Caravelle auf den MQB umziehen.

Noch ist das alles Spekulation, offiziell wollen sich Ford und Volkswagen erst während des Fortlaufs der Gespräche äußern. Dr. Thomas Sedran, der in Wolfsburg die Konzernstrategie verantwortet, sagt: „Die Markt- und Kundenanforderungen verändern sich mit einer rasanten Geschwindigkeit. Beide Unternehmen besitzen bereits starke und sich ergänzende Kompetenzen in verschiedenen Nutzfahrzeugsegmenten. Um uns den Herausforderungen der sich wandelnden Märkte zu stellen, sind wir unausweichlich auf mehr Flexibilität durch Kooperationen angewiesen. Das ist ein Kernelement unserer Konzernstrategie 2025. Die geplante strategische Zusammenarbeit mit Ford ist eine Chance, um die Wettbewerbsfähigkeit beider Unternehmen weltweit zu verbessern.”

Vielleicht wird es ja dann auch einmal von Ford und VW gemeinsam entwickelte Nutzfahrzeuge mit einem Brennstoffzellenantrieb geben, der seinen Ursprung bei Hyundai hatte.

Unter der Bildergalerie im Video: Wasserstofftanken mit dem Hyundai ix35 Fuel Cell.

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Text: Bernd Conrad
Bilder: Christian Bittmann (2), Bernd Conrad (3), Hersteller (4)
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